CULTURall
Highlights
- Das CULTURall in Herrnhut ist eines der ältesten Missionsmuseen im deutschsprachigen Raum mit über 1200 Objekten, die seit 1732 von Herrnhuter Missionaren gesammelt wurden.
- Das Museum verbindet Dauer- und Wechselausstellungen mit Bildungsarbeit, digitalen Angeboten und interdisziplinären Projekten zur Reflexion ethnologischer Sammlungen.
Eigenschaften
CULTURall Herrnhut: Museum für Kulturausflug
Das CULTURall in Herrnhut zählt zu den ältesten Missionssammlungen im deutschsprachigen Raum und bietet einen faszinierenden Einblick in die kulturelle Vielfalt der Welt. Die Grundlage der Sammlung bilden Objekte, die Missionare der Herrnhuter Brüder-Unität seit dem 18. Jahrhundert auf ihren Reisen zu verschiedenen Völkern mitbrachten.
Ein zentraler Bestandteil der Sammlung sind die sogenannten „Südsee-Kuriositäten“, darunter Malanggan-Skulpturen aus dem Pazifik, die vor 250 Jahren durch die Expeditionen des britischen Seefahrers James Cook und seines Offiziers James Burney nach Herrnhut gelangten. Diese Objekte sind heute nicht nur als Kunstwerke, sondern auch als historische Zeugnisse von globalen Handels- und Wissensnetzen von Bedeutung. Die Ausstellung zeigt, wie solche Sammlungen entstanden und welche komplexen Geschichten sie bergen.
Das Museum setzt sich intensiv mit der kritischen Reflexion seiner Bestände auseinander. Aktuell wird eine grundlegende Neukonzeption der Ausstellungen umgesetzt, die Themen wie Kolonialismus, globale Ungleichheit und die Folgen der Versklavung in Ländern wie Suriname thematisiert. Ein modulares Ausstellungskonzept ermöglicht es, aktuelle gesellschaftliche Debatten zeitnah aufzugreifen und in den Dialog mit Herkunftsgemeinschaften zu treten. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Zusammenarbeit mit anderen sächsischen Ethnographischen Sammlungen in Leipzig und Dresden wider.
Bildungsarbeit und Vermittlung spielen eine zentrale Rolle im CULTURall. Neben der Dauerausstellung werden wechselnde Sonderausstellungen angeboten, die ethnographische Sammlungen, historische Dokumente und private Reiseaufzeichnungen einbeziehen. Für Kinder und Jugendliche stehen digitale Rundgänge sowie interaktive Formate zur Verfügung, die den Zugang zur Weltkultur erleichtern. Das Museum positioniert sich damit als lebendiger Lernort, der nicht nur Geschichte bewahrt, sondern auch kritische Perspektiven auf kolonial geprägte Sammlungen eröffnet.
Mit seiner einzigartigen Sammlung und dem Engagement für Restitution und Restitutionsforschung ist das CULTURall ein wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung kolonialer Vergangenheit. Die geplante Neuausrichtung unterstreicht dabei den Anspruch, die Sammlungen nicht nur als historische Dokumente, sondern als Raum für gesellschaftliche Diskussionen zu verstehen. Ein Besuch in Herrnhut bietet somit nicht nur kulturelle Einblicke, sondern auch Anregungen für eine reflektierte Auseinandersetzung mit globalen Machtverhältnissen.