Kirche von Suurhusen
Eigenschaften
Über Kirche von Suurhusen
Die Kirche von Suurhusen in der Gemeinde Hinte im nordöstlichen Niedersachsen beherbergt eines der bekanntesten Bauwerkswunder der Region: den sogenannten „schiefsten Turm der Welt“. Dieser ehemalige Kirchturm gehört zur evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Suurhusen–Marienwehr und ist ein beeindruckendes Zeugnis mittelalterlicher Baukunst und naturgewaltener Geschichte. Mit einer Neigung von über fünf Grad und einem Dachfirstüberhang von mehr als zwei Metern zählt er zu den unabsichtlich schiefsten Türmen überhaupt und hat sogar den berühmten Schiefen Turm von Pisa zeitweise übertroffen.
Der Turm wurde im 15. Jahrhundert an eine bereits bestehende, ursprünglich turmlose Kirche angebaut. Errichtet auf einem Fundament aus Eichenstämmen über weichem Moorboden, begann der Turm im Laufe der Jahrhunderte langsam zur Seite zu kippen. Ursache dafür war der gesunkene Grundwasserspiegel durch Entwässerungsmaßnahmen im 19. Jahrhundert, wodurch die Holzpfähle im Untergrund zu faulen begannen. Im 20. Jahrhundert verstärkte sich die Neigung immer weiter, was schließlich zur Schließung der Kirche führte. In den 1980er Jahren wurde der Turm durch private Initiative saniert, das Fundament stabilisiert und die Kirche nach umfangreichen Sicherungsmaßnahmen 1985 wieder eingeweiht.
Heute dient die Kirche nur noch zu besonderen Anlässen und Gottesdiensten, erfreut sich jedoch großer Beliebtheit bei Besucherinnen und Besuchern aus der Region und darüber hinaus. Jährlich strömen mehrere Tausend Neugierige in das kleine Suurhusen, um den schiefen Turm hautnah zu erleben. Ein besonderes Detail: An der Nordwestecke des Turms ist ein Sandstein in die Mauer eingelassen, der den Wasserstand der verheerenden Allerheiligenflut von 1570 markiert – ein weiteres eindrucksvolles Zeugnis der regionalen Geschichte.
Der Turm ragt mit einer Höhe von fast 27,5 Metern über die niedersächsische Landschaft und hat eine Grundfläche von 121 Quadratmetern. Sein Gesamtgewicht wird auf etwa 2100 Tonnen geschätzt. Obwohl die Neigung heute weitgehend stabil ist, bleibt der Turm ein eindrucksvolles Beispiel für die Herausforderungen, die der weiche Untergrund der ostfriesischen Marschengebiete mit sich bringt. Als Kulturdenkmal und architektonische Kuriosität zieht er nicht nur Touristen an, sondern ist auch ein Symbol für die Beharrlichkeit und den Erhaltungswillen der Menschen in der Region.