Denkmal/Gedenkstätte

Gedenkort Lager Ulrichsschuppen

Diersch-und-Schröder-Str. 19, 28217 Bremen

Highlights

  • Das Kunstprojekt von Michaela Melián wurde 2024 an der Ecke Memeler/Revaler Straße öffentlich übergeben.
  • 1989 wurden in den ehemaligen Schuppen Wandmalereien entdeckt, die vermutlich 1942/43 von Gefangenen entstanden sind.

Tipps

  • Besucher finden den Gedenkort an der Ecke Memeler/Revaler Straße.
  • Informationen zu Öffnungszeiten sind vorab zu prüfen.
  • Die ehemaligen Ulrichsschuppen waren Zwangsarbeiterlager.

Eigenschaften

Bildung Kulturell Ganzjährig

Über Gedenkort Lager Ulrichsschuppen

Der Gedenkort Lager Ulrichsschuppen in Bremen erinnert an ein ehemaliges Kriegsgefangenen- und Zwangsarbeiterlager im Bremer Westen. Es befand sich in den Ulrichsschuppen 9 und 10 am Holz- und Fabrikenhafen, die in den Jahren 1912/13 sowie in den 1920er Jahren errichtet worden waren. Ab 1942 dienten die Schuppen als Unterkunft für französische Kriegsgefangene, die zuvor auf dem Schiff „Admiral Brommy“ untergebracht waren. Aufgrund unhaltbarer Bedingungen auf dem Schiff wurden die Gefangenen in die Schuppen verlegt. Später wurden auch sowjetische Zwangsarbeiter in einem der Gebäude untergebracht. Eine Gestapo-Evakuierungsliste aus dem Jahr 1944 führt für diesen Ort insgesamt 983 registrierte Gefangene aus.

Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet das Lager in Vergessenheit und wurde wieder gewöhnlich als Lagerhalle genutzt. Erst 1989 wurden in den Schuppen Wandmalereien entdeckt, die mutmaßlich von französischen Kriegsgefangenen in den Jahren 1942/43 entstanden waren. Die Arbeiten, an denen mehrere Gefangene beteiligt gewesen sein dürften, wurden geborgen und finden heute in verschiedenen Einrichtungen wie dem Bremer Staatsarchiv oder dem Hafenmuseum im Speicher XI ihre Aufnahme. Eine der bekanntesten künstlerischen Beiträge geht auf den Gefangenen David Alloi zurück.

Die ursprünglichen Ulrichsschuppen wurden 2019 abgerissen, nachdem die Hafenbetriebsgesellschaft J. Müller AG, Brake, das Gelände erworben hatte. Als Reaktion auf den Abriss und im Zuge der Erinnerungskultur wurde 2024 ein neuer Gedenkort an der ursprünglichen Stelle an der Ecke Memeler und Revaler Straße eingeweiht. Das Kunstprojekt wurde von der Rolandpreisträgerin Michaela Melián entwickelt. Ein zentrales Element des Gedenkortes ist die horizontal niedergelegte Fassade eines der ehemaligen Schuppen, die den verschwundenen Ort sichtbar macht und gleichzeitig an die vielen Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen erinnert, die hier unter unmenschlichen Bedingungen leben und arbeiten mussten.

Der Gedenkort steht im Kontrast zu den heute auf dem Gelände errichteten Containertürmen, die als Symbole der globalen Warenwelt fungieren. Diese räumliche Opposition verdeutlicht die Spannung zwischen Geschichte und Gegenwart, Erinnerung und Vergessen. Die künstlerische Gestaltung des Ortes innezuhalten und sich mit der Geschichte der Zwangsarbeit in Bremen auseinanderzusetzen, die bis heute nicht vollständig erforscht ist. Schätzungen zufolge waren bis zu 75.000 Menschen in bremischen Betrieben zur Zwangsarbeit gezwungen, darunter Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge.

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