Wasserturm
Highlights
- 1910 entstand auf 210,9 m ü. NN der 27 m hohe Wasserturm in Igstadt – ein einzigartiges Bauwerk mit spannungsfreier Stahlbetonkonstruktion nach Plänen von Prof. Otto Intze.
- Architektonisch auffällig durch schiefergedeckten Behälter und gebrochenes Dach verbindet er sich stilistisch mit dem 1912 erbauten Bahnwasserturm von Bischofsheim.
Tipps
- Die Lage auf 210,9 Metern über Normalnull bietet Besuchern eine Aussicht über die umliegende Region, die sich besonders bei klarem Wetter entfaltet.
- Der Turm steht als historisches Wahrzeichen unter Denkmalschutz und spiegelt die frühe Selbstständigkeit der Wasserversorgung in der Gemeinde wider.
Eigenschaften
Wasserturm Igstadt – Kulturdenkmal erkunden
Der Wasserturm in Igstadt ist ein markantes historisches Wahrzeichen des Ortes und ein beeindruckendes Zeugnis der technischen und architektonischen Entwicklungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Errichtet 1910 auf einer der höchsten Erhebungen Igstadts – auf 210,9 Meter über Normalnull im Distrikt „Vorm Graben“ – war er Teil der ersten eigenen Wasserversorgungsanlage der damals noch selbstständigen Gemeinde. Mit einer Höhe von 27 Metern (ohne Spitze) prägt er bis heute das Ortsbild und gilt als weithin sichtbares Symbol für Igstadt.
Besonders bemerkenswert ist die konstruktive Lösung des Turms, die sich deutlich von anderen Anlagen im Wiesbadener Umland abhob. Statt eines geschlossenen Kastens mit vier Eisenbetonsäulen, wie ursprünglich geplant, setzte man auf eine innovative, spannungsfreie Verbindung zwischen Ständer und Behälter. Diese Technik stammte von Professor Otto Intze, einem führenden Wasserexperten der Zeit, und sorgte für eine stabile, aber optisch offene Gestaltung. Der schiefergeschützte Behälterteil und das auffällig gebrochene Schieferdach verweisen zudem auf eine enge Verwandtschaft mit dem 1912 errichteten Bahnwasserturm in Bischofsheim am Rhein – ein Hinweis auf den Austausch von Know-how und Materialien in der Region.
Die Bedeutung des Wasserturms als kulturelles Erbe wurde früh erkannt. Als die Wasserversorgung 1910 eingestellt wurde, stellte sich überraschend heraus, dass der ursprüngliche Wasserstand innerhalb weniger Stunden wieder erreicht war – ein Beleg für die robuste Bauweise. Spätere Diskussionen um den Erhalt des Turms zeigten, wie sehr er als identitätsstiftendes Wahrzeichen geschätzt wurde. Ortsvereine und der Beirat sprachen sich einstimmig für seine Bewahrung aus, da er nicht nur eine technische Leistung, sondern auch ein Stück Ortsgeschichte verkörpert.
Igstadt selbst vereint in seiner Geschichte Elemente aus Klostergut, Adelsherrschaft und ländlicher Tradition. Das Altmünster-Kloster in Mainz war über Jahrhunderte größter Grundherr und Ortsherr, während die Landgrafen von Hessen-Marburg ab dem 15. Jahrhundert die Vogteirechte übernahmen. Die Reformation und spätere Siedlungsprojekte – wie die Gründung der „Siedlervereinigung Eigenes Heim“ in den 1920er Jahren – spiegeln den Wandel von einer kleinen Wickerschaft zu einer wachsenden Gemeinde. Straßen wie die „Weingartenstraße“ erinnern sogar an die jahrhundertealte Weinbautradition des Ortes, die bis in die Römerzeit zurückreicht.
Heute steht der Wasserturm als stilles Zeugnis dieser Entwicklungen – ein technisches Denkmal, das die Verbindung von Ingenieurskunst und lokaler Geschichte verkörpert. Sein Erhalt sichert nicht nur ein Stück Industriekultur, sondern auch die Erinnerung an die Selbstständigkeit und den Fortschrittswillen einer Gemeinde, die sich im frühen 20. Jahrhundert ihre eigene Infrastruktur schuf. Als historisches Wahrzeichen bleibt er ein Anziehungspunkt für Besucher, die sich für die Entstehungsgeschichte Igstadts und die Besonderheiten seiner Infrastruktur interessieren.