Critzumer Kirche
Highlights
- Die Critzumer Kirche stammt aus dem 13. Jahrhundert und wurde im 15. Jahrhundert umgebaut.
- Ihr Glockenturm diente einst möglicherweise als Leuchtturm für Schiffe auf der Ems.
- Die Kirche beherbergt eine 1853 gebaute Orgel und eine historische Kanzel mit barocken Elementen.
Tipps
- Die Kirche liegt zentral in Critzum und ist von einem breiten Graben umgeben.
- Der Backsteinbau stammt teilweise aus dem 13. Jahrhundert und steht auf einer Warft.
- Aktuell ist das Gebäude geschlossen, ein Besuch des Innenraums ist nicht möglich.
Eigenschaften
Über Critzumer Kirche
Die Critzumer Kirche steht im Zentrum des Ortsteils Critzum der Gemeinde Jemgum und zählt zu den historischen Sakralbauten im Landkreis Leer in Niedersachsen. Der evangelisch-reformierte Kirchenbau stammt teilweise aus dem 13. Jahrhundert und gilt als eines der ältesten Gotteshäuser der Region. Ursprünglich romanisch angelegt, erhielt das Gebäude im Laufe der Jahrhunderte weitere baugeschichtliche Schichten, darunter spätmittelalterliche Umbauten. Auffällig ist der massive Glockenturm, der im Verhältnis zum Kirchenbau ungewöhnlich groß geraten ist und früher möglicherweise als Orientierungshilfe für Schiffe auf der nahegelegenen Ems diente.
Die Kirche wurde auf einer Warft errichtet, ohne ein Fundament zu besitzen, was für die Bauweise des Rheiderlands typisch ist. Ein breiter Graben umgibt den Backsteinbau teilweise und unterstreicht die besondere Lage des Gebäudes. Diese topografische Eigenart könnte im Mittelalter auch militärische Funktionen erfüllt haben, etwa als zusätzliche Verteidigungsanlage neben der Coldeborg, dem historischen Häuptlingssitz nordwestlich von Critzum. Bis zur Reformation gehörte die Kirche zur Propstei Hatzum und damit zur Diözese Münster.
Im Inneren zeichnet sich die Kirche durch eine Mischung aus schlichter Eleganz und barocken Elementen aus. Die mit Gold verzierte Kanzel unter dem Tonnengewölbe stammt aus späterer Zeit und wird von vier gedrehten Stützsäulen getragen. Ihre Holzornamente zeigen Motive aus der Pflanzen- und Menschenwelt und erinnern an die Barockästhetik. Im Chorraum steht heute eine Orgel, die ursprünglich 1853 in Hamburg erbaut wurde und 1939 nach Critzum verlegt wurde, wo sie den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstand. Noch heute hängen an der weiß getünchten Wand Holztafeln mit den Namen der Kriegsopfer beider Weltkriege.
Die Sakralausstattung wird ergänzt durch kleine Schiefertafeln an den Wänden, auf denen mit Kreide die Lieder des letzten Gottesdienstes notiert stehen – eine Tradition, die bis heute gepflegt wird. Auch wenn die Kirche aktuell nicht für Besuche geöffnet ist, bleibt sie ein stilles Zeugnis mittelalterlicher Baukunst und regionaler Geschichte. Ihre geschlossene Tür nimmt dem Betrachter den direkten Einblick, unterstreicht aber dennoch den kulturellen Wert des Gebäudes, das sowohl architektonisch als auch im Hinblick auf seine Funktion als Ort der Erinnerung von Bedeutung ist.