St. Wenzel
Highlights
- St. Wenzel in Kirchweg 1 ist eine evangelische Kirche mit gotischem Ostchor (1506) und einem 1437 errichteten steinernen Kirchturm.
- Die Kirche wurde 1553 nach Brand zerstört und im 19. Jh. neogotisch saniert; 2013 erfolgte eine Dachsanierung mit Schiefer und Hausschwammbekämpfung.
Tipps
- Der historische Kirchturm aus dem Jahr 1437 zeigt mit seinem gotischen Ostchor und dem südlichen Flankenturm architektonische Besonderheiten aus mehreren Epochen.
- Im Innenraum finden sich künstlerische Werke wie das Altarglasfenster von 1914 sowie die 1932 geschaffene Darstellung der heiligen Familie als Teil der Ausstattung.
- Die Poppe-Orgel aus dem Jahr 1863 mit historischen Elementen aus dem 18. Jahrhundert wurde 1985 nach Restaurierung wieder in Betrieb genommen und bietet akustische Besonderheiten.
Eigenschaften
Kultur & Sakrales in St. Wenzel (Kirchweg 1)
Die evangelische Kirche St. Wenzel im Ort Rothenstein markiert einen der ältesten sakralen Orte im Kirchenkreis Jena. Ihr Ursprung reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück, wobei der heutige Bau eine faszinierende Mischung aus historischen Epochen widerspiegelt. Der älteste erhaltene Teil ist der gotische Ostchor mit einem flankierenden Turm aus dem Jahr 1506, der sich durch seine filigrane Architektur auszeichnet. Ursprünglich war die Kirche als steinerne Anlage mit einem kurzen Langhaus konzipiert, doch ein Brand im Jahr 1553 veränderte ihr Erscheinungsbild grundlegend.
Nach der Katastrophe wurde der Westturm aus Holz neu errichtet und das Innere mit einer schlichten Flachdecke versehen. Im 19. Jahrhundert prägte der Jenaer Baumeister Carl Spittel die Kirche im Stil der Neogotik, während der Innenraum erst 1983 sein heutiges Aussehen erhielt. Besonders auffällig ist der Turm mit seinem frühgotischen Erdgeschoss, das später durch einen Fachwerkaufbau ergänzt wurde. Dieser ist mit Brettern verschalt und wird von einer geschweiften Haube bekrönt – ein typisches Merkmal der regionalen Bauweise.
Im Inneren beeindrucken vor allem die künstlerischen Schätze. Der Altar in der Turmhalle stammt aus dem Jahr 1934, während der Altarraum mit Werken wie der Darstellung der heiligen Familie (1932) und dem Abendmahl (um 1810) besticht. Ein besonderer Höhepunkt ist das Altarglasfenster von Glasmaler Franke aus dem Jahr 1914, das durch seine farbenprächtige Gestaltung besticht. Die historische Poppe-Orgel von 1863, die Elemente einer Vorgängerin aus dem Jahr 1729 integriert, wurde 1985 nach einer Restaurierung durch die Firma Speerschneider (Weimar) wiedereröffnet und sorgt bis heute für eine einzigartige Akustik.
Die Kirche durchlief im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Sanierungen, darunter eine umfassende Neueindeckung des Schiffdaches mit Schiefer im Jahr 2013, die auch eine Hausschwammsanierung der Dachsparren umfasste. Besonders erwähnenswert ist die Restaurierung eines schädlingsbefallenen Bildes an der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst, das 2007 mit einem speziellen Verfahren wiederhergestellt wurde. Mit ihrer Mischung aus historischer Substanz und sorgfältiger Pflege ist St. Wenzel nicht nur ein architektonisches Juwel, sondern auch ein Ort der Andacht und des kulturellen Erbes in der Region.