Hugenottenhaus
Highlights
- Das Hugenottenhaus (1825/26) ist eines der letzten erhaltenen Häuser für hugenottische Flüchtlinge in Kassel und prägt seit 1700 die Stadtgeschichte.
- Seit 50 Jahren leer, wurde es 2019 zum Kunstzentrum umgewandelt – Start mit der Ausstellung *freie Zimmer* und späteren Projekten wie *first aid*.
- Künstler wie Thomas Schütte und Thomas Demand zeigten 2015 im Fridericianum Werke für *neue enden*, eine Ausstellung, die die Sammlung von Udo Wendland prägte.
Eigenschaften
Kulturzentrum Huguenottenhaus Kassel – Kultur erleben
Das Hugenottenhaus in Kassel ist ein historisches Gebäude mit einer bewegten Vergangenheit und einer aufstrebenden Rolle als lebendiges Kulturzentrum. Ursprünglich 1825/1826 im typischen Kasseler Barockstil vom Maurermeister Andreas Kraus errichtet, diente es als Wohn- und Treffpunkt für die zahlreichen Hugenotten, die seit dem 17. Jahrhundert als „Réfugiés“ nach Kassel geflohen waren. Das prägende Ensemble aus großem und kleinem Ballsaal – auch Bodesaal genannt – war in den Wirtschaftswunderjahren ein beliebter Veranstaltungsort für die Kasseler Bevölkerung. Doch seit den 1970er-Jahren stand das Haus über Jahrzehnte leer und galt als eines der letzten erhaltenen Häuser dieser Art in der Stadt.
Die Wiederbelebung des Hugenottenhauses begann mit künstlerischen Impulsen: Die Ausstellung neue enden im Jahr 2015 im Kasseler Kunstverein markierte den Ausgangspunkt eines Projekts, das von den Künstler:innen Alice Creischer, Christian Philipp Müller, Norbert Radermacher und Thomas Schütte sowie internationalen Namen wie Thomas Demand und Gregor Schneider getragen wurde. Finanziert durch eine Edition und die Unterstützung der Impulse für Kassel Stiftung unter Udo Wendland, entwickelte sich die Ausstellung zur Keimzelle einer neuen Kunstsammlung. Wendlands Engagement war so groß, dass er seinen Sammlungsschwerpunkt fortan auf die beteiligten Künstler:innen verlagerte und heute einige hundert Werke aus dieser Reihe besitzt.
Das Hugenottenhaus wurde zum Schauplatz zeitgenössischer Kunst und gesellschaftlicher Reflexion. 2022 widmete sich das Projekt first aid der Frage, wie Künstler:innen auf Notlagen künstlerisch reagieren – ein Thema, das auch die Arbeit von Carola Ruf einbezog, deren frühe Installation Abgeschoben hier bereits 1993 entstand. Parallel dazu zeigte die Ausstellung freie Zimmer 2019, wie das Haus dauerhaft als Kulturort neu gedacht werden kann. Seitdem ist das Hugenottenhaus ein Ort der Begegnung zwischen Geschichte und Gegenwart, der mit wechselnden Ausstellungen, Performances und Veranstaltungen die Kasseler Kulturlandschaft bereichert.
Als eines der letzten erhaltenen Hugenottenhäuser in Kassel verbindet das Gebäude architektonisches Erbe mit moderner Kunstpraxis. Es steht für den Wandel von Leerstand zu lebendigem Raum – ein Symbol dafür, wie Geschichte und Innovation Hand in Hand gehen können. Ob als Ausstellungsort für internationale Künstler:innen oder als Plattform für gesellschaftliche Debatten: Das Hugenottenhaus ist ein Ort, der Kassels kulturelles Profil nachhaltig prägt.