Wilhelm-Erbstollen
Highlights
- Der Wilhelm-Erbstollen in Kaub förderte seit dem 14. Jahrhundert hochwertigen Dachschiefer aus dem Kauber Zug des Rheinischen Schiefergebirges.
- 1889 erhielt der Kauber Schiefer auf der Pariser Weltausstellung eine Goldmedaille für seine chemische Qualität und Verarbeitung.
- Der rollstuhlgerechte Zugang und das erhaltene Denkmalensemble mit Spalthaus, Dickem Turm und Mahlwerk zeigen den historischen Schieferbergbau.
Tipps
- Der rollstuhlgerechte Zugang ermöglicht einen barrierefreien Zugang zu den historischen Anlagen des Wilhelm-Erbstollens und erleichtert so die Erkundung der Ausstellungsbereiche.
Eigenschaften
Wilhelm-Erbstollen Kaub: Kulturdenkmal-Ausflug
Der Wilhelm-Erbstollen in Kaub ist ein bedeutendes historisches Denkmal des Schieferbergbaus im Rheinischen Schiefergebirge. Der Ort Kaub war seit Jahrhunderten ein Zentrum der Schiefergewinnung, wobei die Lagerstätten des sogenannten Kauber Zuges – einer nordöstlich verlaufenden Schieferformation im Hunsrück und Taunus – hier abgebaut wurden. Schon die Römer nutzten den Kauber Schiefer vermutlich für den Bau des Limes, und die erste urkundliche Erwähnung des Bergbaus datiert ins Jahr 1355. Besonders im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Schieferbergbau zu einem prägenden Wirtschaftszweig, dessen Produkte international Anerkennung fanden: Auf der Weltausstellung 1889 in Paris erhielt der Kauber Schiefer sogar eine Goldmedaille für seine herausragende chemische Zusammensetzung und Qualität als Dachschiefer.
Die Anlage des Wilhelm-Erbstollens umfasst mehrere markante Bauten, die eng mit der Schieferproduktion verbunden sind. Im Zentrum steht der mittelalterliche Dicke Turm, der als historisches Wahrzeichen gilt. Daran angeschlossen sind das Spalthaus sowie das Zechen- und Stollenhaus, in denen die gespaltenen Schieferplatten verarbeitet wurden. Ein besonderes Merkmal ist die originale Fördertechnik: Die Platten wurden mit Förderwagen über eine Brücke zum Dicken Turm transportiert und von dort per Aufzug direkt zum Rheinufer gebracht, um von dort aus weiterverarbeitet zu werden. Seit 1925 ergänzte ein Mahlwerk die Anlage, das Schieferabfälle zu Splitt und Schiefermehl verarbeitete. Das monumentale Neue Mahlwerk, erbaut 1942, prägt bis heute das Bild der Grube und diente als technisches Wahrzeichen der Zechenanlage.
Der Wilhelm-Erbstollen ist ein klassischer Erbstollen, der nicht nur der Wasserableitung diente, sondern auch der Wetterführung für die angeschlossenen Grubengebäude. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Tiefbau immer weiter ausgebaut, wobei im 19. Jahrhundert Stahl-Fördergerüste zum Einsatz kamen. Trotz der wirtschaftlichen Bedeutung des Bergbaus blieben viele Tagesanlagen nach der Schließung der Gruben erhalten – Kaub zählt zu den wenigen Orten, an denen ein solches Denkmalensemble in originaler Ausstattung erhalten ist. Besonders das Neue Mahlwerk wurde vorbildlich restauriert und dient heute als Wohnraum, während der Rest der Anlage als historisches Zeugnis der regionalen Industriegeschichte bewahrt wird.
Die jahrhundertealte Verbindung Kaubs mit dem Bergbau spiegelt sich auch im Stadtwappen wider, das seit 1956 Symbole für Schifffahrt, Weinbau und Bergbau vereint. Noch in den 1980er Jahren galt die Anlage als eines der ausdrucksstärksten Denkmalensembles des Schieferbergbaus in Deutschland. Seit 2022 engagiert sich ein privater Verein für die Aufarbeitung und Bewahrung dieser industriellen Geschichte, um das Erbe des Kauber Schieferbergbaus für zukünftige Generationen zu sichern. Der Wilhelm-Erbstollen ist damit nicht nur ein technisches Denkmal, sondern auch ein lebendiges Stück regionaler Kulturgeschichte.
Mit einem rollstuhlgerechten Eingang ist die Anlage auch für Besucher mit eingeschränkter Mobilität zugänglich und bietet Einblicke in die faszinierende Welt des Schieferabbaus. Die Kombination aus historischer Architektur, technischer Innovation und regionaler Identität macht den Wilhelm-Erbstollen zu einem einzigartigen Ausflugsziel für Geschichtsinteressierte und Kulturbegeisterte.