Katholisches Pfarrhaus St. Martin
Highlights
- Das Pfarrhaus St. Martin in Landshut steht seit 2012 unter dem Patrozinium von Martin und Kastulus und verbindet romanische Reste mit spätgotischer Architektur (ab 1392).
- Barockisierung (1700) und gotische Wiederherstellung (19. Jh.) prägten den Innenraum, während das Chorgestühl bis heute für tägliche Chorgebete genutzt wird.
- Einzigartig ist das spätgotische Grabmal an der Außenwand sowie das 1424 geschnitzte Hochaltar-Meisterwerk aus Sandstein – beide Zeugnisse mittelalterlicher Kunst.
Tipps
- Ein barrierefreier Zugang über eine Rampe am Südostportal ermöglicht Besuchern mit eingeschränkter Mobilität den Eintritt zum Martinsfriedhof.
- Die historische Architektur der Stiftsbasilika vereint romanische Reste aus dem 13. Jahrhundert mit spätgotischen Elementen aus dem 14.–16. Jahrhundert.
- Das spätgotische Chorgestühl wird während der Sommermonate täglich von den Kanonikern für das Chorgebet genutzt, was einen Einblick in die liturgische Praxis bietet.
Eigenschaften
Katholisches Pfarrhaus St. Martin Landshut – Sakrale Kultur
Das Katholische Pfarrhaus St. Martin in Landshut ist ein historisches Bauwerk, das tief in der Stadtgeschichte verwurzelt ist. Es steht in enger Verbindung zur gleichnamigen Stiftsbasilika St. Martin, die seit ihrer Gründung im 13. Jahrhundert ein prägendes Element der Region darstellt. Die Kirche entstand in mehreren Bauphasen über etwa 120 Jahre, wobei der Chorraum bereits im Jahr 1392 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Besonders beeindruckend ist der spätgotische Turm, der schließlich um das Jahr 1500 vollendet wurde und der Basilika ihr markantes Erscheinungsbild verleiht.
Das Pfarrhaus selbst ist eng mit der spirituellen und kulturellen Identität Landshuts verbunden. Als Teil des Kanonikerstifts St. Martin seit 1595 diente es über Jahrhunderte als Wohn- und Arbeitsort für die Geistlichen, die die Gemeinde seelsorgerisch begleiteten. Im Inneren der Basilika finden sich zahlreiche Kunstschätze, darunter das Chorbogenkreuz, ein fast vollständig aus einem Baumstamm geschnitztes spätgotisches Kruzifix, das dem Ulmer Meister Michel Erhard zugeschrieben wird. Auch das Hochaltarblatt und die Assistenzfiguren des Barock sind bis heute erhalten und erzählen von der künstlerischen Entwicklung der Region.
Ein besonderes Juwel ist die Rosenkranzmadonna des Landshuter Bildhauers Hans Leinberger, die um 1517 entstand. Die vollplastische Figur war einst von einem monumentalen Rosenkranz umgeben und gilt als Meisterwerk der spätgotischen Kunst. Zudem beeindruckt das Taufportal aus dem 15. Jahrhundert, das mit seiner Darstellung der Taufe Jesu im Jordan nicht nur sakralen, sondern auch historischen Wert besitzt. Das Bauernportal aus der Zeit um 1480/90 zeigt spielerische Elemente wie einen Affen, der auf die gotische Architektur verweist.
Das Pfarrhaus und die Basilika St. Martin sind seit Jahrhunderten Zeugen von Umbrüchen und Restaurierungen. Nach Kriegsschäden und strukturellen Schäden folgte von 1978 bis 1991 eine umfassende Sanierung, die die Substanz des Bauwerks sicherte. Heute ist das Pfarrhaus ein Ort der Begegnung, der nicht nur Gläubige, sondern auch Kulturinteressierte anzieht. Besonders die Taufkapelle mit modernen Lichtinstallationen von Martin Kastulus (seit 2015) bietet eine moderne Interpretation mittelalterlicher Fenster und schafft eine einzigartige Atmosphäre.
Das Pfarrhaus St. Martin ist somit ein lebendiges Denkmal, das die Verbindung von sakraler Tradition und zeitgenössischer Kunst verkörpert. Es lädt dazu ein, die Geschichte Landshuts zu erkunden – von den Anfängen der Stadtgründung bis hin zu den künstlerischen Schätzen der Gotik und des Barock. Der barrierefreie Zugang über eine Rampe am Südostportal macht die Basilika zudem für alle Besucher zugänglich.