Denkmal/Gedenkstätte

Die Villa Merländer

Friedrich-Ebert-Straße 42, 47799 Krefeld-Bockum

Highlights

  • Die Villa Merländer (Friedrich-Ebert-Straße 42) beherbergt seit 1991 die NS-Dokumentationsstelle mit Dauerausstellung zu Krefelds NS-Geschichte und Opferverfolgung.
  • 1989 wurden unter Tapeten zwei ‚entartete‘ Wandgemälde von Heinrich Campendonk in der Villa wiederentdeckt und restauriert – heute Teil der Ausstellung.
  • Der jüdische Unternehmer Richard Merländer wurde 1941 in ein ‚Judenhaus‘ zwangsverlegt und deportiert; die Villa dokumentiert sein Schicksal im Holocaust.

Tipps

  • Die Dauerausstellung informiert detailliert über die lokale Geschichte des Nationalsozialismus und die Verfolgung von Juden in Krefeld-Bockum.
  • Die originalen Wandgemälde von Heinrich Campendonk bieten Einblicke in die als ‚entartet‘ diffamierte Kunst der NS-Zeit und sind restauriert erhalten.
  • Für Bildungszwecke werden spezielle Führungen und Workshops zu historischen Themen angeboten, die sich an Schüler und Studierende richten.

Eigenschaften

Bildung Kulturell Ganzjährig

Kulturdenkmal Villa Merländer Krefeld-Bockum

Die Villa Merländer in Krefeld-Bockum ist ein bedeutendes Kulturdenkmal mit tiefgreifender historischer und künstlerischer Bedeutung. Das Gebäude wurde Anfang des 20. Jahrhunderts für den Unternehmer Richard Merländer errichtet, dessen Schicksal eng mit der NS-Zeit verbunden ist. Merländer, ein jüdischer Seidenfabrikant, musste 1941 in ein „Judenhaus“ umziehen und fand später im Holocaust den Tod. Sein Vermächtnis lebt heute in der Villa weiter, die seit den 1990er Jahren als NS-Dokumentationsstelle dient und die Aufarbeitung der lokalen NS-Geschichte ermöglicht.

Ein besonderes Juwel der Villa sind die Wandgemälde des Künstlers Heinrich Campendonk, die 1989 unter alten Tapeten wiederentdeckt wurden. Die expressionistischen Werke galten im Nationalsozialismus als „entartet“ und wurden nach ihrer Restaurierung in der Dauerausstellung präsentiert. Sie verdeutlichen nicht nur den künstlerischen Wert des Bauwerks, sondern auch die Unterdrückung progressiver Kunst unter der NS-Herrschaft. Die Villa selbst steht als Mahnmal für die Verfolgung jüdischer Mitbürger und die systematische Entrechtung in der Region.

Die NS-Dokumentationsstelle bietet eine Dauerausstellung zur Geschichte Krefelds im Nationalsozialismus, die sich mit der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung, tragischen Familiengeschichten und dem Alltag unter der Diktatur auseinandersetzt. Neben der Ausstellung finden regelmäßig Vorträge, Lesungen und Filmvorführungen statt, die das historische Bewusstsein schärfen. Besonders für Schülerinnen und Schüler sowie Studierende werden spezielle Führungen und Workshops angeboten, um die Aufarbeitung der NS-Geschichte lebendig zu halten. Der Verein zur Erhaltung der Villa Merländer engagiert sich seit Jahrzehnten für die wissenschaftliche Erforschung und pädagogische Vermittlung dieser Themen.

Die Villa Merländer ist nicht nur ein Ort der Erinnerung, sondern auch ein wissenschaftliches Archiv, das als Fundus für Forschende dient. Durch die Zusammenarbeit mit Schulen und Initiativen – etwa im Rahmen der Stolperstein-Verlegung – wird die lokale Erinnerungskultur aktiv gestaltet. Die Dokumentationsstelle bleibt damit ein zentraler Ort für die Auseinandersetzung mit den Verbrechen der NS-Zeit und die Förderung kritischer Geschichtsbildung. Trotz struktureller Herausforderungen bleibt die Villa ein Ort der Aufklärung, der durch Spenden und Förderungen weiterhin erhalten und ausgebaut wird.

Besucherinnen und Besucher können hier nicht nur die Ausstellung erkunden, sondern auch die künstlerische und historische Bedeutung des Gebäudes selbst erleben. Die Villa Merländer steht damit für den Erhalt eines Denkmals, das sowohl als Mahnmal als auch als Ort der künstlerischen und gesellschaftlichen Reflexion dient. Sie zeigt, wie Geschichte lebendig bleibt – durch Erinnerung, Bildung und den Dialog über die Vergangenheit.

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