Denkmal/Gedenkstätte

Gradierwerk I - Windkunst

Promenade 1, 06231 Bad Dürrenberg

Highlights

  • Das Gradierwerk I in Bad Dürrenberg ist das längste zusammenhängende Gradierwerk Deutschlands und ein technisches Denkmal.
  • Es wurde 1763 nach Originalplänen von Johann Gottfried Borlach erbaut und dient zur natürlichen Salzgewinnung durch Verdunstung.
  • Die Anlage erzeugt ein meeresähnliches Mikroklima, das für Atemwegserkrankungen vorteilhaft ist.

Tipps

  • Das Gradierwerk I ist das längste zusammenhängende Gradierwerk Deutschlands und ein technisches Denkmal.
  • Der historische Borlachturm prägt das Stadtbild und markiert den Eingang zum Gelände.
  • Führungen bieten Einblicke in die Salzgewinnung und Geschichte des Standorts.

Eigenschaften

Bildung Kulturell Ganzjährig

Über Gradierwerk I - Windkunst

Das Gradierwerk I - Windkunst in Bad Dürrenberg ist ein herausragendes technisches Denkmal und zählt zu den bedeutendsten Kulturdenkmälern der Region. Es stellt das längste zusammenhängende Gradierwerk Deutschlands dar und ist ein eindrucksvolles Zeugnis der historischen Salzgewinnung. Errichtet im Zuge der Erschließung der hiesigen Solequelle, dienten die Gradierwerke einst der Gewinnung von Siedesalz durch natürliche Verdunstung. Die Anlage wurde nach Originalplänen des kurfürstlich-sächsischen Bergrats Johann Gottfried Borlach errichtet und zeigt heute noch weitgehend den technischen Zustand des frühen 19. Jahrhunderts.

Die Technik des Gradierwerks basiert auf einem aus Holz gefertigten Tragwerk, das mit Bündeln aus Schwarzdorn verfüllt ist. Die Sole wird durch diese Reisigbündel geleitet, wodurch Wasser verdunstet und der Salzgehalt konzentriert wird. Dabei entsteht ein meeresähnliches Mikroklima, das aufgrund seiner positiven Wirkung auf die Atemwege auch medizinisch genutzt wurde. Die Bauweise folgt der sächsischen Senffschen sowie der altpreußischen Colberger Bauart und verdeutlicht die regionale Baupraxis vergangener Jahrhunderte. Ursprünglich wurde regionales Fichtenholz verwendet; bei Sanierungsmaßnahmen wird heute hauptsächlich Lärchenholz eingesetzt.

Das Gradierwerk I erstreckt sich über eine Länge von 420 Metern und umfasst verschiedene Abschnitte, darunter das Haus 1 sowie die Kolbergabschnitte I und II mit Tiefenbehälter. Besonders auffällig ist das sogenannte Doppelstück, das in den Jahren 2019 bis 2022 aufgrund von strukturellen Schäden abgerissen und neu errichtet wurde. Auch der Tiefenbehälter unterhalb des Gradierwerks wurde seit 2018 saniert, um die Stabilität der gesamten Anlage langfristig zu sichern. Diese Maßnahmen unterstreichen das Bemühen, das technische Erbe zu bewahren und für zukünftige Generationen zu erhalten.

Die Salzproduktion in Bad Dürrenberg endete Mitte des 20. Jahrhunderts, unter anderem aufgrund von wirtschaftlichen und geologischen Faktoren. Die nahegelegene Chemieindustrie in Leuna trug zusätzlich zur Einstellung des Kurbetriebs bei. Dennoch blieben die Gradieranlagen sowie der Kurpark erhalten und sind heute fester Bestandteil des Ortsbildes. Das Gradierwerk I wurde offiziell in die Liste der Kulturdenkmale der Gemeinde aufgenommen und genießt höchste Beachtung in der Denkmalpflege.

Besucher*innen erhalten an der Stätte Einblicke in die historische Salzgewinnung und die technische Innovation vergangener Jahrhunderte. Die Windkunst, ein charakteristischer Teil des Gradierwerks I, unterstreicht den ästhetischen wie funktionalen Reiz der Anlage. Die regelmäßige Pflege und Erhaltung der Reisigbündel ist notwendig, um die Funktionalität der Zerstäubung und damit das Mikroklima zu erhalten. Das Gradierwerk I steht als lebendiges Zeugnis einer industriellen Tradition, die tief in der Geschichte Sachsens-Anhalts verwurzelt ist.

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