Denkmal/Gedenkstätte

Völkerkundemuseum Herrnhut

Goethestraße 1, 02747 Herrnhut-Neustrahwalde

Highlights

  • Das 1878 gegründete Museum zählt zu den ältesten Missionssammlungen im deutschsprachigen Raum mit über 200.000 Objekten.
  • Seit 2010 Teil der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, arbeitet es an der Aufarbeitung kolonialer Geschichte und Restitution geraubter Kulturgüter.
  • Modulares Ausstellungskonzept ermöglicht aktuelle Themen wie Klimawandel und Kolonialismus – inklusive barrierefreier Zugänge (Eingang, Parkplatz, WC).

Tipps

  • Der barrierefreie Zugang ermöglicht Besuchern mit Mobilitätseinschränkungen eine ungehinderte Erkundung der Ausstellungsräume.
  • Die historischen Sammlungsdokumente stehen über eine Online-Plattform der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsens zur öffentlichen Einsehung bereit.
  • Die Ausstellungskonzeption thematisiert aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen wie Kolonialismus und globale Klimafolgen in zeitgemäßer Aufbereitung.

Eigenschaften

Bildung Kulturell Ganzjährig

Völkerkundemuseum Herrnhut: Kulturdenkmal in Herrnhut-Neustrahwalde

Das Völkerkundemuseum Herrnhut im Herzen der Oberlausitz, genauer im Verbund von Herrnhut-Neustrahwalde, zählt zu den bedeutendsten ethnologischen Sammlungen im deutschsprachigen Raum. Als Teil der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsens (SES) vereint es seit seiner Gründung im Jahr 1878 – mit historischen Wurzeln bis ins 18. Jahrhundert zurückreichend – Ethnographie und Missionsgeschichte. Die Sammlung entstand maßgeblich durch die Tätigkeit der Evangelischen Brüder-Unität, deren Missionare seit 1732 Objekte aus ihren Einsatzgebieten sammelten. Besonders prägend war die dritte Reise von James Cook, deren Funde 1781 in die Bestände gelangten. Heute beherbergt das Museum über 200.000 bibliothekarische Einheiten und eine Vielzahl an Objekten, die die kulturelle Vielfalt globaler Gesellschaften dokumentieren.

Die Ausstellungskonzeption des Museums steht aktuell vor einem grundlegenden Wandel: Seit Januar 2023 ist es für den regulären Betrieb geschlossen, um eine neue Dauerausstellung zu entwickeln. Schwerpunkte der geplanten Präsentation sind die Themen Umwelt und globaler Klimawandel, die Aufarbeitung von Kolonialismus sowie die historischen Zusammenhänge der Versklavung in Suriname und den Folgen für Länder des Globalen Südens. Ein modulares Konzept ermöglicht es, gesellschaftlich relevante Debatten zeitnah aufzugreifen und mit Besuchern zu diskutieren. Besonders beachtenswert ist die Auseinandersetzung mit der eigenen Sammlungsgeschichte, die eng mit der Missionsarbeit der Brüder-Unität verbunden ist – etwa durch die Konzentration ethnographischer Bestände aus den Missionsgebieten in Herrnhut nach dem Zweiten Weltkrieg.

Ein zentrales Anliegen des Museums ist die Dekolonisierung der Sammlungen. Wie in den Schwesterinstitutionen Leipzig und Dresden wird auch hier die Restitution von geraubten Objekten, etwa aus dem Königreich Benin, aktiv vorangetrieben. Die Teilnahme an Projekten wie dem Digital Benin zeigt das Engagement für transnationalen Austausch und die Rückführung von Kulturgütern in ihre Herkunftsländer. Besucher können sich über die Webseite des Museums über Restitutionsprozesse und wissenschaftliche Begleitforschung informieren. Die Sammlung wird zudem digital zugänglich gemacht, etwa durch die Plattform der SES, die historische Dokumente und Objekte öffentlich einsehbar macht.

Besucher erwartet eine vielfältige Präsentation, die von traditionellen Heilsystemen bis zu kolonialen Machtstrukturen reicht. Aktuelle Ausstellungen wie *„Geister und Geistlichkeit – Medizin und Herrnhuter Mission in Nicaragua“* bieten einen tiefen Einblick in die kulturellen Praktiken der Miskito-Küste. Mit über 40 Objekten – darunter Ritualpuppen, Zeremonialstäbe und medizinische Artefakte – wird hier die Wechselwirkung zwischen europäischer Mission und indigener Spiritualität veranschaulicht. Die Ausstellungen sind barrierefrei gestaltet, mit rollstuhlgerechtem Zugang, Parkplatz und WC, um allen Interessierten den Besuch zu ermöglichen.

Das Völkerkundemuseum Herrnhut ist nicht nur ein Ort der Wissensvermittlung, sondern auch ein Raum für kritische Reflexion. Durch Bildungsangebote und Führungen richtet es sich an unterschiedliche Zielgruppen und fördert den Dialog über globale Ungerechtigkeiten. Die geplante Neukonzeption unterstreicht dabei den Anspruch, Sammlungen nicht nur als historische Zeugnisse, sondern als lebendige Diskussionsplattformen zu nutzen – im Einklang mit den Zielen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und der internationalen Museumscommunity.

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