Denkmal/Gedenkstätte

Ehemaliger Friedhof

Kettelerstraße 66, 55126 Mainz

Eigenschaften

Entspannt Kulturell Ganzjährig

Über Ehemaliger Friedhof

Der ehemalige Friedhof in Mainz, heute als „Judensand“ oder Alter jüdischer Friedhof bekannt, zählt zu den bedeutendsten jüdischen Kulturstätten der Stadt und ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes der SchUM-Städte Speyer, Worms und Mainz. Gelegen im Stadtteil Hartenberg-Münchfeld unweit der Mombacher Straße, befand sich der Friedhof vor dem Münstertor, also außerhalb der mittelalterlichen Stadtmauern. Die Bezeichnung „Judensand“ deutet auf die sandige, landwirtschaftlich wenig ergiebige Beschaffenheit des Geländes hin, was möglicherweise den günstigen Erwerb durch die jüdische Gemeinde im frühen Mittelalter ermöglichte.

Bereits im hohen Mittelalter entwickelte sich der Friedhof zu einer zentralen Bestattungsstätte für die jüdische Gemeinde von Mainz, die damals unter dem Namen Magenza bekannt war. Die Gestaltung der Grabstellen folgte aschkenasischen Traditionen, die hier maßgeblich für das mitteleuropäische Judentum geprägt wurden. Über Jahrhunderte hinweg wurde der Friedhof intensiv genutzt, bis Vertreibungen und Verfolgungen der jüdischen Bevölkerung im Spätmittelalter zu Unterbrechungen führten. Nach der endgültigen Vertreibung der Juden aus Mainz im 15. Jahrhundert wurde der größte Teil des Geländes anderen Nutzungen zugeführt, Grabsteine verschwanden oder wurden als Baumaterial verwendet.

Im 17. Jahrhundert siedelte sich allmählich eine neue jüdische Gemeinde in Mainz an, und ein kleinerer Teil des Friedhofs wurde ab etwa 1700 erneut belegt. Dieser Bereich, das sogenannte untere Gräberfeld, blieb bis ins späte 19. Jahrhundert in Nutzung und umfasste rund 1,85 Hektar. Etwa 1.500 Grabsteine aus dieser Zeit wurden bei einer Bestandsaufnahme Anfang des 20. Jahrhunderts dokumentiert. Einige der ältesten erhaltenen Grabsteine stammen aus dem 11. Jahrhundert, darunter einer aus dem Jahr 1049, der heute im Landesmuseum Mainz aufbewahrt wird. Im Zuge städtischer Bauvorhaben wurden immer wieder mittelalterliche Grabsteine außerhalb des eigentlichen Friedhofsareals entdeckt.

Heute erinnert der ehemalige Friedhof nicht nur an die reiche Geschichte der jüdischen Gemeinde in Mainz, sondern steht auch als Zeugnis mittelalterlicher jüdischer Kultur und Tradition unter Denkmalschutz. Der Standort ist für Besucher mit Interesse an sakraler Architektur und regionaler Geschichte von Bedeutung. Familienangehörige suchen gelegentlich gezielt nach Grabstellen, wie etwa im Fall von Johann Peter, der hier in einer der Reihen des älteren Friedhofsteils beigesetzt ist. Mit einem Bewertungsdurchschnitt von 3,0 von 5 Sternen spiegeln die wenigen Bewertungen ein differenziertes Nutzererleben wider.

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