Ehemaliges Wohnhaus von Johann Maria Kertell
Eigenschaften
Über Ehemaliges Wohnhaus von Johann Maria Kertell
Das ehemalige Wohnhaus von Johann Maria Kertell in Mainz ist eine der ältesten erhaltenen Wohnanlagen der Stadt und zählt zu den bedeutendsten Zeugnissen mittelalterlicher Patrizierarchitektur in Rheinland-Pfalz. Inmitten des Mainzer Altstadtbildes, umgeben von spätgotischen Fachwerkhäusern sowie klassizistischen und modernen Gebäuden, thront der romanische Wohnturm wie ein Zeitzeuge vergangener Epochen. Die auffallend massiven Mauern, die schmalen Schlitzenfenster im Erdgeschoss und die ursprünglichen romanischen Rundbogenfenster vermitteln einen eindrucksvollen Eindruck der ursprünglichen Bauweise des späten 12. Jahrhunderts.
Errichtet wurde das Gebäude von Eberhardus de Lapide, einem Angehörigen der einflussreichen Patrizierfamilie „Judeus de Lapide“, nach der auch der heutige Name „Haus zum Stein“ entstand. Dokumente aus dem Mittelalter belegen, dass der Bau damals als Prestigeobjekt galt und sogar den Zorn des Mainzer Erzbischofs hervorrief, da er als das höchste säkulare Gebäude der Stadt den archiepiskopalen Stellenwert übertreffen sollte. Dennoch wurde der Ausbau fortgesetzt. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte das Haus mehrfach den Besitzer und verlor zunehmend seine ursprüngliche Funktion als repräsentatives Patrizierhaus. Es diente unter anderem als Wohnsitz für Kanoniker des St. Albanstifts, Handwerker und später auch als Zivilwohnung.
Die Architektur des Hauses spiegelt sowohl die Verteidigungsfunktion als auch den Wandel zur bürgerlichen Wohnkultur wider. Mit einer Wandstärke von 1,40 Metern und nur wenigen Öffnungen im Untergeschoss zeigt das Gebäude ursprünglich defensive Charakteristika. Die Fenster des ersten Obergeschosses befanden sich einst in beträchtlicher Höhe über der Straße. Erst im Zuge späterer Umbauten wurden die Fassaden geöffnet und an neue Wohnbedürfnisse angepasst. Besonders bemerkenswert ist die Rekonstruktion der romanischen Fassade in den 1980er Jahren, bei der historische Bauteile und archäologische Funde als Grundlage dienten, um das ursprüngliche Erscheinungsbild wiederherzustellen. Diese Restaurierung wurde mit einem Sonderpreis im Bundeswettbewerb „Bauen und Wohnen in alten Umgebungen“ ausgezeichnet.
Heute steht das ehemalige Wohnhaus von Johann Maria Kertell als geschützte Historische Sehenswürdigkeit im Mainzer Stadtbild und zieht Besucher mit seiner markanten Architektur und tiefen historischen Bedeutung an. Obwohl das Gebäude nicht mehr im ursprünglichen Innenausbau erhalten ist, vermittelt die Außenansicht einen anschaulichen Einblick in die Lebenswelt des späten Mittelalters. Die enge Gasse, in der es liegt, unterstreicht den besonderen Reiz dieses Ortes, der – versteckt im Stadtkern – eine fast unberührte Atmosphäre mittelalterlicher Baukunst bewahrt.