Museum

Dauerausstellung Aufdecken - Entdecken - Das Schweigen brechen

Kronenstraße 9, 72127 Tübingen

Highlights

  • Die Ausstellung zeigt Tübingens Rolle im Nationalsozialismus und die Vertreibung jüdischer Bürger ab 1939 mit historischen Objekten wie einem Ghetto-Gebetsriemen.
  • Seit 2011 besuchen israelische Gruppen die Dauerausstellung, die Aufklärung über lokale NS-Verbrechen und internationale Solidarität fördert.
  • Einzigartige Exponate wie eine 1811er Chanukkia und Zeitzeugendokumente brechen das Schweigen über lokale Verantwortung im Holocaust.

Eigenschaften

Bei Regen geeignet Bildung Kulturell Ganzjährig

Kultur-Museum Tübingen: Aufdecken – Schweigen brechen

Die Dauerausstellung „Aufdecken – Entdecken – Das Schweigen brechen“ im Kellergewölbe der Buchhandlung *Treffpunkt Jesus live* in Tübingen ist ein bewegendes Zeugnis der lokalen Geschichte im Nationalsozialismus und seiner europäischen Dimension. Seit ihrer Eröffnung im Jahr 2013 – und einer umfassenden Überarbeitung 2018 – hat die Ausstellung über 600.000 Besucher erreicht und nachhaltig geprägt. Besonders eindrucksvoll ist die Wirkung auf internationale Gruppen, darunter seit 2011 Reisende aus Israel, die Tübingen als Teil ihrer Deutschland-Tour besuchen.

Die Ausstellung beleuchtet die Geschichte der jüdischen Gemeinschaft in Tübingen vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert, bevor sie im Nationalsozialismus systematisch verfolgt und vertrieben wurde. Ein zentraler Fokus liegt auf der Rolle der Stadt als Teil des nationalsozialistischen Systems: Wie verbreitete sich die Ideologie in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen, und wie reagierten die Bürger? Durch persönliche Schicksale und Dokumente wird die Auswirkung des Schweigens auf Familien und Nachkommen thematisiert. Die Ausstellung fordert Besucher auf, dieses Schweigen zu durchbrechen und sich aktiv mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Besondere Exponate wie der Gebetsriemen (Tefillin) des Überlebenden Michail Koifman – ein Relikt aus dem Ghetto Berschad in der heutigen Ukraine – oder die 1811 stammende Chanukkia einer Tübinger Familie veranschaulichen die Verbindung von lokaler und globaler Geschichte. Koifman übergab die Tefillin 2010 als Zeichen des Gedenkens an das jüdische Museum in Tübingen. Die Ausstellung verbindet diese Objekte mit einem Aufruf zum Handeln: Seit 2007 finden weltweit „Märsche der Erinnerung“ statt, an denen Christen und Juden aus über 20 Ländern teilnehmen – eine Initiative, die auch in Tübingen ihren Ursprung hat.

Besucher schätzen die Ausstellung für ihre emotionale Tiefe und klare Botschaft. Ruth Doctor, Enkelin der emigrierten Hanna Bernheim, und Hilde Ehrle aus Tübingen betonten in ihren Rückmeldungen, wie sehr sie von den Schicksalen und der Aufarbeitung beeindruckt waren. Die Ausstellung zeigt nicht nur die Vergangenheit auf, sondern regt dazu an, das Erinnern in den eigenen Gemeinden und Städten lebendig zu halten – durch Dialog, Bildung und gemeinsame Aktionen.

„Aufdecken – Entdecken – Das Schweigen brechen“ ist damit mehr als eine Ausstellung: Sie ist ein Ort der Reflexion, der Brücken zwischen Generationen und Kulturen schlägt und die Verantwortung für ein waches Gedächtnis in die Gegenwart trägt. Besonders für Reisende aus dem Ausland wird Tübingen so zu einem Ort der Begegnung mit deutscher Geschichte – und einer Einladung, selbst aktiv zu werden.

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