Ausgrabungskirche Rommers, Gersfeld (Rhön)
Highlights
- 650 n. Chr. tauften irische Missionare in Rommers heidnische Bewohner am ‚Heiligen Wasser‘ – heute Ruine einer romanischen Saalkirche.
- Die Kirche aus dem 11.–12. Jh. stand auf einer vorchristlichen Kultstätte; Reste einer 1 m starken Friedhofsmauer deuten auf eine Wehranlage hin.
- Nach Brand und Abriss im 16. Jh. geriet der Standort in Vergessenheit, bis 1999 das Fundament freigelegt wurde – eine der ältesten Kirchen der Rhön.
Tipps
- Die freigelegten Grundmauern der romanischen Saalkirche bieten Einblicke in die Bauweise und Orientierung des historischen Gotteshauses aus dem 11. oder 12. Jahrhundert.
- Die Reste der 1 Meter starken Friedhofsmauer um die Kirche deuten auf eine mögliche Funktion als befestigter Kult- oder Versammlungsort vorchristlicher Zeit hin.
Eigenschaften
Ausflug Kultur Sakral: Ausgrabungskirche Rommers Gersfeld Rhön
Die Ausgrabungskirche Rommers in Gersfeld (Rhön) verweist auf eine faszinierende historische Schicht des Ortes, die bis in das frühe Mittelalter zurückreicht. Laut einer alten Gersfelder Chronik sollen hier bereits im 7. Jahrhundert irische Missionare heidnische Bewohner am Bachlauf – heute als „Heiliges Wasser“ bekannt – getauft haben. Unmittelbar an diesem Ort stand einst die Pfarrkirche von Rommers, deren Ruinen heute noch im Rommerser Grund zu erkennen sind. Die Kirche wurde vermutlich im 11. oder 12. Jahrhundert auf den Fundamenten einer vorchristlichen Kultstätte errichtet, wie archäologische Funde nahelegen. Die umgebende, etwa einen Meter starke Friedhofsmauer deutet zudem auf eine zusätzliche Wehranlage hin, die den heiligen Ort schützen sollte.
Nach einem Brand und dem anschließenden Abriss im Mittelalter geriet der Standort der Kirche in Vergessenheit. Dies lag auch daran, dass das Dorf Rommers 1558 nicht mehr an seiner alten Stelle, sondern nordöstlich der ursprünglichen Ortslage neu gegründet wurde. Erst im Jahr 1999 wurden die freigelegten Grundmauern der geosteten romanischen Saalkirche entdeckt. Die Ausgrabungen offenbarten ein Fundament, das auf eine einst bedeutende Sakralstätte hinweist. Besonders bemerkenswert ist die Legende, wonach die Kirche einst von einem Schwein auf dem Kirchplatz „entdeckt“ worden sein soll – ein Bericht, der jedoch bisher keinen urkundlichen Beleg findet und somit im Bereich der Sage bleibt.
Die Verbindung zur evangelischen Kirchengemeinde Gersfeld zeigt sich auch in der Pfarrchronik, die von einer ehemaligen Rommerser Glocke berichtet, die dem Gersfelder Geläute einst zugehörte. Mit einem Gewicht von 588 bayrischen Pfund war sie ein bedeutendes Relikt der Region. Die Reformation prägte Gersfeld ab 1537 nachhaltig, als die lutherische Lehre eingeführt wurde. Die ritterschaftlichen Bezirke Gersfeld und Tann hatten zu dieser Zeit ähnliche wirtschaftliche und politische Strukturen sowie jahrhundertealte Autonomiebestrebungen gegenüber den geistlichen Fürstentümern Würzburg und Fulda. Die Ausgrabungskirche Rommers steht somit als stummer Zeuge dieser historischen Entwicklungen und verbindet sakrale Tradition mit der bewegten Geschichte der Rhön.
Heute bietet die freigelegte Stätte einen Einblick in die archäologische Vergangenheit Gersfelds und lädt dazu ein, die Spuren vergangener Kulturen zu erkunden. Die Ruinen und die Umgebung des „Heiligen Wassers“ spiegeln die enge Verbindung von Glauben, Geschichte und Landschaft wider – ein Ort, der sowohl für Geschichtsinteressierte als auch für spirituell Suchende von besonderem Wert ist. Die Ausgrabungskirche Rommers bleibt damit ein einzigartiges Zeugnis des mittelalterlichen Lebens in der Rhön und ein Ort der Erinnerung an die frühen christlichen Wurzeln der Region.