Denkmal/Gedenkstätte

Ehemaliges Wohnhaus der Familie Emrich

Schulerweg 1, 75417 Mühlacker

Highlights

  • Denkmalgeschütztes Wohnhaus der Familie Emrich (1915–1939) mit Historismus-Architektur: Erker, Gauben, Sandstein und Fachwerk.
  • Vermutlich 1938 durch NS-Regime isoliert; heute als Kindergarten genutzt – Zeugnis regionaler Industrie- und Familiengeschichte.
  • Exponate der Bijouteriefabrik Emrich (2013) zeigen Alfred Emrichs europaweiten Geschäftsbeziehungen im frühen 20. Jh.

Tipps

  • Das Gebäude dient seit 1999 als Kindergarten und bewahrt damit die historische Bausubstanz aus der Zeit der Emrichs, darunter regionale Materialien wie Sandstein und Fachwerk.

Eigenschaften

Bildung Kulturell Ganzjährig

Ehemaliges Wohnhaus Familie Emrich Mühlacker Kulturdenkmal

Das Ehemalige Wohnhaus der Familie Emrich in Mühlacker ist ein bedeutendes historisches Denkmal, das eng mit der regionalen Industriegeschichte und dem sozialen Engagement der Familie verbunden ist. Das denkmalgeschützte Gebäude entstand im Stil des Historismus und vereint regionale Baumaterialien wie Holz und Sandstein mit markanten architektonischen Elementen wie Erkern, Gauben und Krüppelwalmdächern. Besonders auffällig sind die Butzenscheiben und das Fachwerk, die dem Haus seinen charakteristischen Charme verleihen. Bis August 1939 bewohnten Alfred Emrich, seine Frau Laura sowie ihre Tochter Marianne das Anwesen – ein Zeugnis des Wohlstands und der kulturellen Prägung der Familie.

Alfred Emrich, der als Fabrikant der Bijouteriefabrik in Mühlacker bekannt war, prägte nicht nur die lokale Wirtschaft, sondern setzte sich auch für soziale und kulturelle Initiativen ein. Sein Name ist bis heute in der Stadt präsent, unter anderem durch die umfassende Ausstellung aus dem Jahr 2013, die Leben und Werk des Unternehmers mit Exponaten aus der Fabrik dokumentierte. Die Villa diente zudem als Wohnsitz für Mitarbeiter der Firma, die in den umliegenden Betriebswohnungen lebten – ein Hinweis auf die soziale Verantwortung der Familie. Mit der Nutzung als Kindergarten seit 1999 wird das Gebäude heute einer neuen Generation zugänglich gemacht.

Die Geschichte der Familie Emrich ist auch von den politischen Umwälzungen des 20. Jahrhunderts geprägt. Ab 1938 unterlag sie den rassistischen Gesetzen der NS-Zeit, die Kontakte zu jüdischen Personen verboten und so eine schrittweise Isolation bewirkten. Dennoch blieb das Erbe der Familie ein wichtiger Teil der regionalen Identität. Der Historisch-Archäologische Verein Mühlacker fördert seit Jahrzehnten das Bewusstsein für historische Denkmäler und archäologische Funde im Raum, wobei die Villa Emrich als Beispiel für den industriellen und sozialen Wandel der Stadt gilt. Durch Publikationen wie die Lebensbeschreibung Emrichs trägt der Verein dazu bei, die Heimatgeschichte lebendig zu halten.

Das Wohnhaus steht symbolisch für den Übergang von handwerklicher Tradition zu moderner Industrie und zeigt, wie wirtschaftliche Erfolge mit regionalem Stolz und sozialem Engagement einhergingen. Als Teil des kulturellen Erbes Mühlackers lädt es dazu ein, die Geschichte der Stadt zwischen Tradition und Fortschritt zu erkunden. Besonders im Rahmen des Tags des Offenen Denkmals oder geführten Stadtspaziergängen wird die Villa Emrich zu einem Ort, an dem Vergangenheit greifbar wird – sei es durch ihre Architektur oder die Geschichten ihrer Bewohner.

Wer sich für die Verbindung von Industriegeschichte, Architektur und sozialem Engagement interessiert, findet im ehemaligen Wohnhaus der Familie Emrich ein faszinierendes Zeugnis vergangener Zeiten. Das Gebäude verkörpert nicht nur den Reichtum einer Familie, sondern auch die komplexen gesellschaftlichen Entwicklungen, die Mühlacker im 19. und 20. Jahrhundert prägten. Als Teil des kulturellen Erbes der Region bleibt es ein wichtiger Bezugspunkt für alle, die sich für die lokale Historie begeistern.

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