Bibliothek

Goethezeitportal

Osterwaldstraße 95, 80805 München-Schwabing-Freimann

Highlights

  • Das Goethezeitportal digitalisiert und analysiert die Zeitschrift *Bonplandia* (1853–1872) mit Fokus auf den argentinischen Forscher Aimé Bonpland.
  • Seit 2006 veröffentlicht das Portal jährlich thematische Seiten zu Weihnachten mit historischen Bildern, Texten und Motiven wie dem Christbaum.
  • Illustrationen zu Goethes *Taugenichts* (um 1935) und lithografierte Ansichten der Villa Bonpland in München-Schwabing zeigen romantische und klassizistische Stilelemente.

Tipps

  • Die Ausstellung im Goethezeitportal zeigt Illustrationen zu Goethes ‚Taugenichts‘, die sich durch skizzenhafte, unscharfe Konturen und romantische Umrissstile auszeichnen.
  • Im Rahmen der Präsentation werden historische Postkarten aus der Sammlung Prof. Assel digitalisiert und auf der Website des Bildpostkartenarchivs veröffentlicht.
  • Das Portal bietet thematische Seiten zu festlichen Bräuchen wie Ostern, die durch historische Rezepturen, Postkarten und literarische Bezüge ergänzt werden.

Eigenschaften

Bei Regen geeignet Entspannt Bildung Ganzjährig

Goethezeitportal München: Kultur & Bibliothek in Schwabing-Freimann

Das Goethezeitportal in München-Schwabing-Freimann ist ein faszinierendes digitales Archiv und Forschungsinstitut, das sich der Epoche der Goethezeit (spätes 18. bis frühes 19. Jahrhundert) widmet. Als interdisziplinäre Plattform verbindet es literarische, kulturelle und gesellschaftliche Strömungen dieser Zeit mit modernen Forschungsmethoden. Im Mittelpunkt stehen weniger bekannte Quellen wie die Zeitschrift Bonplandia, die seit 1853 in Hannover erschien und bisher wenig beachtet wurde. Durch die Aufarbeitung dieser Materialien entsteht ein differenziertes Bild von Persönlichkeiten wie Aimé Bonpland, dessen letzter Bericht aus dem Jahr 1872 neu interpretiert wird.

Ein besonderer Schwerpunkt des Portals liegt auf der Erforschung von Bildpostkarten als kulturelles Dokument. Die Sammlung von Jutta Assel, die unter anderem Manuskripte zu „Erotik und Zensur“ umfasst, wird hier systematisch inventarisiert und digital zugänglich gemacht. Die Postkarten spiegeln soziale Rollenbilder des 19. Jahrhunderts wider – mit einem Fokus auf die Darstellung der Frau in der Gesellschaft. Parallel dazu werden historische Illustrationen und Lithografien präsentiert, etwa die farbenfrohen Darstellungen des Liebhabertheaters oder Goethes Privatleben, wie sie um 1935 von Editha Drawert geschaffen wurden. Diese Werke verbinden romantische Stilelemente mit klassizistischen Vorbildern und bieten Einblicke in die ästhetischen und gesellschaftlichen Ideale der Epoche.

Das Goethezeitportal lebt von der Verbindung literarischer und visuelle Kultur. So werden etwa die Grotesken von Joseph von Eichendorff oder die Rätselkultur des 19. Jahrhunderts durch farbige Wiedergaben und Kontextualisierungen zugänglich gemacht. Besonders bekannt ist die jährliche Weihnachtsseite, die seit 2006 Tradition hat und historische Motive wie den Weihnachtsbaum mit modernen Interpretationen verbindet. Auch saisonale Themen wie Ostern oder Pfingsten werden durch Postkarten, Gedichte und historische Rezepte (z. B. zu Eierspeisen) lebendig – etwa die Montagen von Ostereiern und Küken oder die idyllischen Kindheitsbilder des 19. Jahrhunderts, die zwischen populärer Graphik und bildungsbürgerlicher Idealisierung oszillieren.

Ein weiteres Highlight ist die Aufarbeitung von Nachlässen wie dem von Jutta Assel, deren Sammlung handgefertigter und professionell gestalteter Postkarten die Vielfalt der populären Graphik der Jahrhundertwende zeigt. Hier werden auch weniger bekannte Spiele und Rätsel der Goethezeit vorgestellt, etwa Goethes Scharaden oder die „Halkyonische Akademie“ des Dichters Franz von Hartleben. Das Portal verbindet so literarische Analysen mit kulturhistorischen Fragestellungen – etwa zur Entstehung des Zuprostens oder zur Rolle des Maikäfers in der Pfingstikonographie. Durch die digitale Aufbereitung wird die Goethezeit nicht nur als literarische Epoche, sondern als lebendige Kulturlandschaft erfahrbar.

Als Forschungsinstitut dient das Goethezeitportal zugleich als Plattform für wissenschaftliche Debatten. Die Präsentation von Quellen wie dem pädagogischen Modell von Friedrich Gedike oder den Buchgestaltungen des Klassizismus zeigt, wie sich Bildungsideale und ästhetische Strömungen in Texten und Bildern niederschlugen. Die Plattform beweist damit, dass die Goethezeit nicht nur eine Phase literarischer Blüte, sondern auch ein Spiegel gesellschaftlicher Transformationen war – von der Aufklärung bis zu den Anfängen der Moderne.

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