Die Sammlung Reuschel
Highlights
- Internationale Ölskizzen-Sammlung des Spätbarock/Rokoko (18. Jh.) aus Süddeutschland, Österreich und Norditalien in Saal 44/45.
- Entwürfe für Altarbilder, Deckengemälde und sakrale Bauten zeigen künstlerische Spontaneität und Werkentwicklung – u. a. von Knoller, Maulbertsch, Wink und Zick.
- Dauerausstellung im Bayerischen Nationalmuseum mit 61 barocken Ölskizzen, darunter druckgrafische Blätter und unausgeführte Kompositionen.
Tipps
- Die Ölskizzen in Saal 44 und 45 zeigen Entwürfe für sakrale und weltliche Bauwerke des Spätbarock und Rokoko mit Fokus auf die künstlerische Vorarbeit.
- Die Präsentation der Skizzen bietet Einblicke in die spontane Gestaltungsweise und die Entwicklung komplexer Kompositionen wie Altarbilder oder Deckengemälde.
Eigenschaften
Kultur in Saal 44/45: Sammlung Reuschel entdecken
Die Sammlung Reuschel im Bayerischen Nationalmuseum beherbergt eine international bedeutende Spezialsammlung von Ölskizzen des Spätbarock und Rokoko. Besonders hervorzuheben sind Werke aus dem süddeutschen, österreichischen und norditalienischen Raum, die einen einzigartigen Einblick in die künstlerische Entwurfsarbeit der Epoche gewähren. Die Sammlung umfasst vor allem Studien für Altarbilder und Deckengemälde, an denen sich die spontane Ideenfindung und gestalterische Freiheit der Maler erkennen lassen.
Im Zentrum der Präsentation stehen die Ölskizzen als „prima idea“ – die farbige Vorlage für spätere Ausführungen. Diese Techniken waren im 18. Jahrhundert neben Zeichnungen weit verbreitet und dokumentieren den kreativen Prozess von der ersten Inspiration bis zur fertigen Komposition. Die Sammlung bietet damit nicht nur ästhetische, sondern auch kunsthistorisch wertvolle Einblicke in die Arbeitsweise der Künstler. Besonders prägende Namen sind Martin Knoller, Franz Anton Maulbertsch, Johann Christian Wink und Januarius Zick, deren Werke hier repräsentiert sind.
Ein Großteil der Skizzen diente als Grundlage für sakrale und profane Bauwerke, darunter Kirchen, öffentliche Gebäude und private Residenzen. Die Sammlung zeigt sowohl Entwürfe für realisierte Werke als auch nicht ausgeführte Projekte, die die Vielfalt künstlerischer Experimentierfreude verdeutlichen. Dazu gehören etwa Studien für Deckengemälde in Kirchen wie der Bürgersaalkirche in München oder Freskenentwürfe für sakrale Räume. Die farbenfrohe Ausführung der Skizzen unterstreicht dabei den besonderen Reiz dieser Werke.
Die Sammlung Reuschel wurde ursprünglich von Sigmund Röhrer, einem Münchner Hofrat, zusammengestellt und 1959 dem Bayerischen Nationalmuseum zur dauerhaften Ausstellung überlassen. Röhrer war besonders von der lebendigen Farbigkeit der barocken Kunst fasziniert und sammelte systematisch Werke aus dem süddeutschen und alpenländischen Raum. Die Präsentation erfolgt in Saal 44 und 45 des Hauptgeschosses und ist für Besucher frei zugänglich. Neben der klassischen Betrachtung ermöglichen digitale Sortieroptionen – etwa nach Künstlernamen – eine individuelle Erkundung der Sammlung.
Die Sammlung unterliegt seit 2023 einer wissenschaftlichen Aufarbeitung, bei der die Provenienz von 61 barocken Ölskizzen untersucht wird. Diese Maßnahme dient der historischen Einordnung und Sicherung des Bestands. Trotz ihrer Funktion als Werkvorbereitung besitzen die Skizzen einen eigenständigen künstlerischen Wert und bleiben bis heute faszinierend – als Zeugnisse einer Epoche, in der Farbe und Pinselstrich die Grenzen zwischen Entwurf und Meisterwerk verschwimmen ließen.