Blickst Du hinauf und liest die Worte ...
Tipps
- Unter die Antenne legen und den Himmel betrachten – so entsteht der beste Zugang zur Installation.
- Direkt neben der Skulptur von Donald Judd ist die Stelle ideal, um beide Werke im Kontext zu sehen.
- Bei Sonnenschein treten die filigranen Buchstaben besonders deutlich hervor – optimaler Moment zum Lesen.
Eigenschaften
Über Blickst Du hinauf und liest die Worte ...
Die Installation „Blickst Du hinauf und liest die Worte...“ zählt zu den bedeutenden Werken der zeitgenössischen Kunst in Münster und ist ein bleibendes Relikt der international renommierten Skulptur Projekte. Entstanden im Jahr 1997, stammt das Kunstwerk vom russisch-amerikanischen Künstler Ilya Kabakov, der mit dieser Arbeit eine besondere Verbindung zwischen Mensch, Natur und Technologie schuf. Die Installation befindet sich auf den nördlichen Wiesen des Aasees, östlich des Kardinal-von-Galen-Rings, und lädt dazu ein, den gewohnten Betrachtungsmodus zeitgenössischer Kunst zu verlassen und stattdessen den Blick nach oben zu richten.
Das zentrale Element der Arbeit ist ein 15 Meter hoher Stahlmast mit 22 Metallantennen, die sich sternförmig nach oben ausbreiten. Auf den ersten Blick wirkt die Konstruktion wie eine gewöhnliche Sendeanlage, doch bei genauerem Hinsehen offenbart sich ein filigranes Netz aus Metallbuchstaben, die zwischen den Antennen angebracht sind. Wer sich unter die sogenannte „Himmelsantenne“ legt und nach oben blickt, kann mit etwas Mühe einen Text entziffern, der direkt an den Betrachter gerichtet ist: eine poetische Aufforderung zur Besinnung, zum Verweilen im Hier und Jetzt. Der Text spricht vom Genuss der Stille, vom Klang des Windes und vom Anblick des offenen Himmels – ein Moment der Ruhe inmitten der technisierten Welt.
Die künstlerische Auseinandersetzung Kabakovs verbindet dabei die Tradition der Sehnsuchtspoesie mit der modernen Kommunikationsgesellschaft. Die Installation spielt mit dem Kontrast zwischen sichtbarer und unsichtbarer Übertragung: Wo einst elektromagnetische Wellen Informationen verbreiteten, wird hier ein Text physisch in die Landschaft geschrieben. Die schimmernden Buchstaben lösen sich je nach Blickwinkel und Lichtverhältnis in filigrane Drahtformen auf und vermitteln so einen Eindruck von Übertragung und Bewegung. Diese visuelle Dynamik unterstreicht Kabakovs Auseinandersetzung mit der Informationsflut moderner Gesellschaften – und gleichzeitig seinen ironischen Kommentar dazu, wie wertvoll schlichte, direkte Botschaften sein können.
Die Arbeit steht in direktem künstlerischen Dialog mit einer weiteren bedeutenden Skulptur am Aasee: Donald Judds konzentrische Betonringe aus dem Jahr 1977. Beide Werke thematisieren das Verhältnis von Erde und Himmel, von Mensch und Raum, und laden zur Reflexion ein. Während Judd architektonische Reduktion betreibt, arbeitet Kabakov mit einer poetischen und zugleich technischen Symbolik, die den Betrachter emotional anspricht. Die Installation ist Eigentum des LWL-Museums für Kunst und Kultur und wurde mit Unterstützung der Münsterischen Kaufmannschaft erworben – ein Zeugnis für die langjährige Bedeutung Münsters als Ort zeitgenössischer Kunst.