Ulrichsquelle
Highlights
- Die Ulrichskapelle in Creglingen ist eine gut erhaltene spätromanische Oktogonkapelle aus dem 13. Jahrhundert.
- Unterhalb der Kapelle entspringt die Ulrichsquelle, deren Wasser Volksmedizin zufolge Augenerkrankungen heilen soll.
Tipps
- Die Ulrichskapelle ist nur mit einem vorhergehenden Schlüsselzugang im Ort Standorf zu betreten.
- Direkt unterhalb der Kapelle entspringt die Ulrichsquelle, die für Augenerkrankungen heilwirksam gilt.
- Der Jakobsweg Main-Taubertal führt direkt an der historischen Oktogonkapelle vorbei.
Eigenschaften
Über Ulrichsquelle
Die Ulrichsquelle befindet sich im baden-württembergischen Creglingen, genauer im Ortsteil Standorf, am südöstlichen Rand des Main-Tauber-Kreises. Die Quelle liegt direkt unterhalb der gleichnamigen Ulrichskapelle, die eng mit der evangelischen Kirchengemeinde Creglingen verbunden ist. Die Kapelle selbst zählt zu den spätromanischen Oktogonbauten im Frankenland und ist Teil der Verbundkirchengemeinde Herrgottstal und Rimbachtal. Die Ulrichsquelle fließt in den Rindbach, einen linken Nebenfluss der Tauber, und genießt im Volksmund einen Ruf als heilkräftig, insbesondere bei Augenerkrankungen.
Die Ulrichskapelle wurde erstmals im Jahr 1429 urkundlich erwähnt, doch architektonische und dendrochronologische Untersuchungen deuten auf einen Bau im frühen 13. Jahrhundert hin. Stilistische Parallelen bestehen zu anderen Oktogonkirchen der Region sowie zur Burg Brauneck. Die achteckige Bauform ist für die Gegend ungewöhnlich und macht die Kapelle zu einem bemerkenswerten sakralen Zeugnis der Spätromanik. Im Inneren stützt eine alte Eichensäule die flache Decke, deren Holz auf das frühe 13. Jahrhundert datiert wurde. Die Kapelle verfügt über ein Kreuzgratgewölbe und zeigt kunstvolle Flechtwerk- und Bildskulpturen an den Kapitellen.
Ursprünglich besaß die Kapelle zwei Türme, von denen heute nur noch der nördliche erhalten ist. In dessen Sockelgeschoss finden sich Reste einer Außenkanzel, die bei Wallfahrtskirchen üblich war. Der Südturm ist heute nur noch durch sein Sockelgeschoss mit einem Erkerchor erkennbar, das vermutlich als Schatz- oder Reliquienkammer diente. Die Außenform des Bauwerks erscheint auf den ersten Blick nicht direkt als Achteck, da zwei Ecken in die Turmanlage integriert wurden. Dennoch ist der achteckige Grundriss im Inneren deutlich erkennbar.
Die Ulrichskapelle liegt am Jakobsweg Main-Taubertal und ist damit Teil einer historischen Pilgerlandschaft. Sie ist nicht dauerhaft öffentlich zugänglich. Der Schlüssel zur Kapelle wird im benachbarten Standorf, im Haus Nr. 6, von einem Verwalter herausgegeben, sofern man Glück hat. Besucher berichten von einer interessanten Grabplatte vor dem Altar sowie von der besonderen architektonischen Form der Kapelle. Aufgrund der eingeschränkten Zugänglichkeit wird sie oft nur von außen betrachtet.
In der Forschung gab es unterschiedliche Deutungen der Kapelle. Teile der völkischen Ideologie des frühen 20. Jahrhunderts sahen an der Stelle ein heidnisches Heiligtum, die Holzsäule wurde dabei als Irminsul interpretiert. Auch eine zeitweise Aufbewahrung des Turiner Grabtuchs wurde vermutet, eine These, die erst 1989 publiziert wurde. Diese Interpretationen stehen jedoch in der Fachwelt umstritten gegenüber und finden heute wenig Beachtung.