Denkmal/Gedenkstätte

Mittelalterliche Lochgefängnisse unter dem Rathaus

Rathauspl. 2, 90403 Nürnberg

Highlights

  • 15 Zellen, eine Folterkammer und die Wohnung des Lochwirts zeugen heute noch von den grausamen Haftbedingungen im Mittelalter.
  • Bekannte Insassen wie der Bildhauer Veit Stoß saßen hier, und Führungen ermöglichen einen Einblick in das ehemalige Untersuchungsgefängnis.

Tipps

  • Die Führung dauert etwa 45 Minuten und bietet viel Wissenswertes über die Geschichte der Lochgefängnisse.
  • Fantasie ist hilfreich, da viele Räume leer sind und die Atmosphäre vor allem durch Vorstellungskraft entsteht.
  • Führungen starten stündlich zwischen 11 und 18 Uhr, ideal auch in Kombination mit anderen Unterwelten-Touren.

Eigenschaften

Bildung Kulturell Ganzjährig

Über Mittelalterliche Lochgefängnisse unter dem Rathaus

Unter dem historischen Nürnberger Rathaus befinden sich die mittelalterlichen Lochgefängnisse, eine der ältesten und bedeutendsten Erhaltungen städtischer Haftanlagen aus der Zeit des Spätmittelalters. Ursprünglich war das Gebäude ein Brothaus, das von der Abtei Heilsbronn genutzt wurde, bevor es ab dem 14. Jahrhundert durch die Reichsstadt Nürnberg in ein Rathaus mit eigenem Gefängnis umgewandelt wurde. Die ehemaligen Erdgeschossräume wurden durch Aufschüttungen zu Kellergewölben, aus denen sich ein komplexes Gefängnis mit Zellen, Folterkammer und weiteren Einrichtungen entwickelte.

Die Anlage diente hauptsächlich als Untersuchungsgefängnis, in dem Gefangene bis zur Verurteilung oder Freilassung inhaftiert wurden. Zwölf kleine Zellen sowie eine sogenannte „Kapelle“, die als Folterkammer genutzt wurde, zeugen noch heute von den harten Haftbedingungen. Die Zellen waren äußerst karg ausgestattet, mit Holzbohlen als Bodenbelag und Einrichtung sowie einem Eimer zur Notdurft. Die Versorgung lag in der Verantwortung der Insassen selbst oder wurde durch den sogenannten „Lochwirt“ organisiert, wobei finanziell Schwächere auf Almosen oder städtische Unterstützung angewiesen waren. Einige Zellen waren symbolisch gekennzeichnet – etwa mit einem roten Hahn für Brandstifter oder einer schwarzen Katze für Verleumder.

Besucher können die fast unverändert erhaltenen Räume im Rahmen einer etwa 45-minütigen Führung erkunden. Neben den Zellen gehören auch eine Schmiede, die Wohnung des Lochwirts und der Brunnenraum zur Anlage. Die Führung vermittelt anschaulich, wie es in den engen Gängen zuging und welche Rolle die Gerichtsbarkeit im Mittelalter spielte. Die Atmosphäre der unterirdischen Räume, verbunden mit historischen Informationen, schafft ein eindrucksvolles Bild der damaligen Rechtsprechung und Haftbedingungen. Besonders erwähnenswert ist, dass selbst berühmte Persönlichkeiten wie der Bildhauer Veit Stoß hier inhaftiert waren.

Die Lochgefängnisse gehören heute zu den Museen der Stadt Nürnberg und gelten als eine der größten erhaltenen mittelalterlichen Stadthafengebäude in Bayern. Sie bieten Einblicke in die Justizpraxis des Mittelalters und sind ein wichtiger Bestandteil der Nürnberger Stadtgeschichte. Die Führungen sind täglich zu festen Zeiten möglich, wobei eine Voranmeldung empfohlen wird. Aufgrund der historischen Bausubstanz sind die Räume nicht barrierefrei, und der Rundgang ist mit engen Gängen verbunden, was Menschen mit Platzangst vor einer Teilnahme abraten kann.

Die unterirdischen Gewölbe sind nicht nur ein geschichtsträchtiger Ort, sondern auch ein kulturelles Zeugnis der Stadt Nürnberg. Sie verbinden die Themen Recht, Strafvollzug und Alltag im Mittelalter und laden dazu ein, die Vergangenheit hautnah zu erleben. In Verbindung mit anderen Sehenswürdigkeiten der Altstadt oder den sogenannten „Nürnberger Unterwelten“ bieten die Lochgefängnisse einen spannenden Einblick in eine vergessene Seite der Stadtgeschichte.

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