Denkmal/Gedenkstätte

Nürnberger Unterwelten

Albrecht-Dürer-Straße 21 Historical Art Bunker, 90403 Nürnberg

Highlights

  • Die Nürnberger Unterwelten umfassen ein weit verzweigtes Stollen- und Kellersystem unter der Altstadt.
  • Genutzt wurden die Gänge seit 1380 vor allem zur Bierlagerung und als Schutzräume.
  • Teile des Systems wie das Lochgefängnis oder Kasematten sind bis heute erhalten geblieben.

Tipps

  • Die Felsengänge unter der Nürnberger Altstadt sind ab 1380 als Bierkeller und Lagerstätten entstanden und erstrecken sich über mehrere Stockwerke.
  • Im Norden der Altstadt befinden sich die meisten bekannten Gänge, im Süden gibt es wegen ehemaliger Brauereien weitere nicht öffentliche Kelleranlagen.
  • Zu den Sehenswürdigkeiten zählen auch Kasematten der Kaiserburg sowie der historische Wassergewinnungsstollen Lochwasserleitung.

Eigenschaften

Bildung Kulturell Ganzjährig

Über Nürnberger Unterwelten

Die Nürnberger Unterwelten zählen zu den bedeutendsten historischen Sehenswürdigkeiten der Stadt und gehören zu einem der größten unterirdischen Felsenkeller-Systeme Europas. Unterhalb der Altstadt erstreckt sich ein weit verzweigtes Labyrinth aus Gängen und Gewölben, die aus dem Buntsandstein herausgehauen wurden. Ursprünglich dienten diese Räume vor allem der Lagerung und Gärung des berühmten Nürnberger Rotbiers. Bereits ab dem späten Mittelalter entwickelte sich unter der Stadt ein komplexes mehrstöckiges Kellersystem, das im Laufe der Jahrhunderte kontinuierlich ausgebaut wurde.

Die Entstehung der Felsengänge steht eng mit der Braukultur Nürnbergs in Verbindung. Seit dem 14. Jahrhundert war es Brauereien vorgeschrieben, eigene Keller in den weichen Sandstein zu graben. Diese unterirdischen Räume boten ideale Bedingungen für die Bierlagerung, da sie eine gleichbleibend kühle Temperatur aufwiesen. Um diese weiter zu regulieren, wurden sogenannte Kühldome angelegt, die im Winter mit Eis befüllt wurden. Mit der Zeit wuchs das Stollensystem zu einem unterirdischen Netzwerk von beachtlicher Größe, das auch zur Wasserversorgung der Stadt diente. Unter anderem führte ein Wassergewinnungsstollen vom Burgberg direkt zum Rathaus, wo sich das historische Lochgefängnis befand.

Im Laufe der Geschichte erfüllten die Nürnberger Unterwelten verschiedene Funktionen. Während des Zweiten Weltkriegs dienten viele der Gänge und Keller als Schutzbunker für die Zivilbevölkerung. Auch in der Kaiserburg wurden Kasematten als Teil der Verteidigungsanlagen in den Fels gehauen. Diese militärische Nutzung verdeutlicht die strategische Bedeutung des unterirdischen Raums in verschiedenen Epochen. Einige Bereiche des Systems blieben bis weit ins 17. Jahrhundert geheim und wurden nur von wenigen Eingeweihten genutzt.

Heute ermöglichen geführte Touren den Zugang zu einem Teil dieses unterirdischen Labyrinths. Besucher erhalten Einblicke in die historische Nutzung der Räume – von der Bierlagerung über die Funktion als Bunker bis hin zu technischen Anlagen des 20. Jahrhunderts. Im Rahmen der Führungen wird auch die Hausbrauerei Altstadthof vorgestellt, in der weiterhin nach traditionellen Methoden Rotbier gebraut und Whisky destilliert wird. Die Nürnberger Unterwelten bieten somit einen facettenreichen Einblick in die Stadtgeschichte, die unterirdische Architektur und die technischen Innovationen vergangener Jahrhunderte.

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