Friedenskirche
Highlights
- Die Friedenskirche in Nürtingen entstand im 15. Jahrhundert mit einer gotischen Kapelle und einem eigenständigen Turm, später um 1466 mit Chor und Sakristei erweitert.
- 1955 wurde die Kirche modernisiert: Arkaden, Empore und seitliche Orgel im Chorraum entstanden, Bänke nach vorne ausgerichtet – heute ein flexibles Gemeindezentrum.
- 2024 erfolgte eine Innenrenovierung mit technischer Modernisierung; die barocke Kruzifixus-Figur (17. Jh.) prägt erneut den Altarraum.
Tipps
- Die Friedenskirche bietet einen barrierefreien Zugang über einen rollstuhlgerechten Eingang und ermöglicht so einen ungehinderten Besuch für alle Gäste.
Eigenschaften
Friedenskirche Nürtingen – Sakrale Kultur erleben
Die Friedenskirche in Nürtingen ist ein historisch bedeutsames und architektonisch faszinierendes Sakralbauwerk, das über Jahrhunderte hinweg die spirituelle und kulturelle Landschaft der Region geprägt hat. Ursprünglich entstand im 13. Jahrhundert eine Kapelle, die später durch einen eigenständigen Turm ergänzt wurde – ein Charakteristikum, das bis heute erhalten geblieben ist. Im 15. Jahrhundert folgte der gotische Chor mit der Sakristei, die das Bild der Kirche nachhaltig veränderten und ihr den heutigen Grundriss gaben.
Im 19. Jahrhundert wurden die Fenster neu gestaltet und prägten das Erscheinungsbild der Kirche für lange Zeit. Erst 1955 erfolgte eine grundlegende Erweiterung: Arkaden und eine große Empore wurden eingebaut, die Bänke nach vorne ausgerichtet und eine neue Kanzel aufgestellt. Die Orgel fand ihren Platz im Chorraum, während ein 17. Jahrhundert stammendes Kruzifix über dem Altar wieder angebracht wurde. Diese Umgestaltung schuf einen modernen, funktionalen Kirchenraum, der bis heute als zentraler Ort für Gottesdienste und Gemeinschaftsveranstaltungen dient.
Besonders erwähnenswert ist der „Häkelnadel“, ein markanter Turmaufsatz in Reudern, der seit 1969 als Gemeindezentrum dient. Die Architekten wählten diese Form bewusst, um auf die Entstehung des Ortes durch Rodung von Wald hinzuweisen. Der Turm beherbergt vier klangvolle Glocken und bietet von seinem höchsten Punkt – der Kelter – einen Panoramablick auf die umliegende Schwäbische Alb. Die Friedenskirche ist damit nicht nur ein Ort der Andacht, sondern auch ein Symbol für die Verbindung von Geschichte und Natur.
Die Kirche ist ein lebendiger Raum für kulturelle und musikalische Veranstaltungen. So wird etwa die frühbarocke Musik von Girolamo Frescobaldi mit ungewöhnlichen Besetzungen wie Kontrabass und Orgel interpretiert, während der Kirchenchor Oberboihingen mit seiner 100-jährigen Tradition regelmäßig Konzerte und Projekte veranstaltet. Die Chorleiterin Dietlind Mayer setzt dabei auf internationale Standards und verbindet traditionelle Choräle mit modernen Arrangements. Zudem bietet die Kirche Raum für ökumenische Begegnungen, wie das Taizé-Gebet, das durch historisch informierte Musik und Darbietungen geprägt ist.
Mit regelmäßigen Renovierungen und technischen Modernisierungen bleibt die Friedenskirche ein Ort, der sich ständig weiterentwickelt. Aktuell wurde 2024 eine Innenrenovierung durchgeführt, bei der auch historische Bauteile wie ein 18. Jahrhundert stammender Wandmalerei freigelegt wurden. Die Kirche steht damit für eine Balance zwischen Bewahrung und Innovation – ein Ort, der sowohl die spirituelle Tradition als auch die lebendige Gemeindepraxis verkörpert. Ob bei Gottesdiensten, Konzerten oder gemeindlichen Festen: Die Friedenskirche ist ein zentraler Anlaufpunkt für Kultur, Andacht und Zusammenhalt in Nürtingen.