Alte Pfarrkirche „Zu den Vier Evangelisten“
Highlights
- Der rollstuhlgerechte Zugang und die Sanierung zwischen 1990–2009 prägten die heutige Nutzung der dreiteiligen Kirche, die gotische und neugotische Stilelemente vereint.
Tipps
- Der mittelalterliche Feldsteinteil der Kirche aus dem Jahr 1420 zeigt originale spätgotische Bauformen und dient als historischer Kern des Gebäudes.
- Die neogotische Erweiterung von 1859 durch Friedrich August Stüler verbindet den alten Feldsteinchor mit einem modernen Kirchenschiff durch einen abgetrennten Apsis-Bereich.
- Der 1909 errichtete Vorbau mit Ziegelfassaden und spitzbogigen Fenstern ergänzt die Kirche um zusätzliche Nutzflächen wie Säle und einen Keller.
Eigenschaften
Kultur-Ausflug: Alte Pfarrkirche „Zu den Vier Evangelisten“ in Berlin-Pankow
Die Alte Pfarrkirche „Zu den Vier Evangelisten“ in Berlin-Pankow ist ein faszinierender Sakralbau, der über sechs Jahrhunderte Baugeschichte vereint. Ihr Kern stammt aus dem frühen 15. Jahrhundert und zählt zu den ältesten erhaltenen Feldsteinkirchen der Region. Die Radiokarbonanalyse eines im Jahr 2006 gefundenen Rüstholzes bestätigte, dass der schlichte, einschiffige spätgotische Bau um 1420 errichtet wurde. Die schmucklose, aber charaktervolle Feldsteinfassade verrät noch heute den mittelalterlichen Ursprung – ein Zeugnis der bescheidenen Anfänge einer Gemeinde, die sich im Laufe der Jahrhunderte zum Zentrum eines wachsenden Stadtteils entwickelte.
Ein entscheidender Wendepunkt in der Geschichte der Kirche war die neogotische Erweiterung durch den Architekten Friedrich August Stüler, einen Schüler Karl Friedrich Schinkels. Angesichts des wachsenden Bedarfs an Kirchenräumen und inspiriert durch Schinkels Entdeckung des Klosters Chorin, setzte sich im 19. Jahrhundert ein neues Verständnis für mittelalterliche Baukunst durch. Stülers Entwurf von 1856 integrierte den alten Feldsteinteil als Chor mit einer abgetrennten Apsis und schuf so eine harmonische Verbindung zwischen historischem Erbe und moderner Erweiterung. Die neogotischen Formen, wie sie auch in anderen Berliner Kirchen zu finden sind, spiegeln den zeitgenössischen Trend wider, deutsche Baukunst als wertvolles Kulturgut zu bewahren.
Die dynamische Entwicklung setzte sich mit einem weiteren Anbau in den Jahren 1908 bis 1909 fort. Um der stetig wachsenden Gemeinde mehr Platz zu bieten, wurde ein neogotischer Vorbau mit Ziegelfassaden und spitzbogigen Fenstern errichtet. Dabei mussten Teile der Stülerschen Westfassade weichen, doch die neuen Elemente – darunter Walmdächer, Säle und ein Keller – prägten das heutige Erscheinungsbild. Besonders bemerkenswert ist die Eingangsfront, die unter dem tiefgezogenen Dach heute den Zugang zur Kirche bildet. Die Baugeschichte zeigt, wie sich die Pfarrkirche stets an die Bedürfnisse ihrer Zeit anpasste, ohne dabei ihren historischen Kern zu verlieren.
Im Inneren vereint die Kirche Elemente aus verschiedenen Epochen. Die neugotische Sternrippengewölbe der Altarapsis, die 1859 nach einem preußischen Standard entworfen wurde, kontrastiert mit der schlichten Feldsteinarchitektur des Chors. Die umfassende Sanierung zwischen 1990 und 2009 brachte die Kirche wieder in einen gepflegten Zustand und bewahrte ihre historische Substanz. Heute dient sie nicht nur als Gottesdienstraum, sondern auch als Ort der Begegnung – mit einem barocken Altar aus dem 18. Jahrhundert auf der linken Empore, der die kulturelle Vielfalt der Kirche unterstreicht. Mit einem Google-Rating von 4,6 Sternen ist sie zudem ein beliebter Ort für Besucher, die Architekturgeschichte und sakrale Kunst verbinden möchten.
Die Alte Pfarrkirche „Zu den Vier Evangelisten“ ist somit ein lebendiges Dokument der Berliner Kirchenbaugeschichte, das von der Bescheidenheit mittelalterlicher Dorfkirchen bis zur prächtigen Neugotik des 19. Jahrhunderts erzählt. Ihr besonderer Reiz liegt in der gelungenen Verschmelzung von Erbe und Moderne – ein Zeugnis dafür, wie Sakralbauten sich im Wandel der Zeit behaupten und gleichzeitig ihre Identität bewahren. Für Kulturinteressierte und Geschichtsbegeisterte ist sie ein Muss, um die vielfältige Baukultur Pankows zu erkunden.