Kulturzentrum

Kiezkapelle

Hermannstraße 102, 12051 Berlin-Bezirk Neukölln

Highlights

  • Die Kiezkapelle auf dem Jacobi-Friedhof (Neukölln) ist seit 2019 ein nachbarschaftlicher Kulturort mit Workshops, Konzerten und Ausstellungen.
  • Im historischen Kapellensaal finden Vernetzungen statt – von Umweltbildung bis zu Performances, oft in Kooperation mit lokalen Projekten wie Prinzessinnengärten.
  • Denkmalgerecht umgebaut, verbindet die Kapelle Friedhof, urbanen Gartenbau und temporäre Ausstellungen wie ‚Fremdkörper‘ zu Desintegrationsthemen.

Tipps

  • Der barrierefreie Zugang zur Kiezkapelle ermöglicht Besuchern mit eingeschränkter Mobilität einen ungehinderten Eintritt in den Kapellensaal und die Ausstellungsbereiche.

Eigenschaften

Kulturell Ganzjährig

Kulturzentrum Kiezkapelle Neukölln – Ausflug

Die Kiezkapelle auf dem Jacobi-Friedhof in Berlin-Neukölln ist ein lebendiger Ort der Nachbarschaftskultur und des kulturellen Austauschs. Seit ihrer denkmalgerechten Umgestaltung zu einem modernen Nachbarschaftsort verbindet sie Tradition mit innovativen Projekten. Die ehemalige Trauerkapelle wurde durch engagierte Initiativen und Förderprogramme des Berliner Senats zu einem Raum für Umweltbildung, Kunst und Gemeinschaftsaktivitäten verwandelt – eingebettet in die Prinzessinnengärten, die seit 2019 auf dem Friedhofsgelände entstehen.

Im Herzen des Projekts steht die Verbindung von urbaner Landwirtschaft und kultureller Bildung. Das Prinzessinnengarten Kollektiv bewirtschaftet seit 2019 Teilflächen des Friedhofs, in denen über 60 Hochbeete, ein Acker und ein Gartencafé entstanden sind. Hier werden nachhaltige Praktiken gelebt: Selbstgeerntetes Gemüse wird im Café verarbeitet, Naturkosmetik aus Restholz hergestellt, und vegetarische Gerichte aus aller Welt angeboten. Die Kiezkapelle selbst dient als Veranstaltungsort für Workshops, Konzerte, Vorträge oder Ausstellungen – gemietet von lokalen Akteuren und Projekten, die den Kiez prägen.

Die Ausstellungen und Performances der Kiezkapelle thematisieren gesellschaftliche Fragen mit künstlerischem Ansatz. So widmet sich die Ausstellung Kernfragen kritisch kolonialen Sammelpraktiken und musealen Machtstrukturen, indem sie historische Funde wie verkohlte Traubenkerne aus dem 5. Jahrhundert als Ausgangspunkt nutzt. Durch dekoloniale Perspektiven und interaktive Formate lädt sie Besucher:innen ein, eigene Erinnerungen und Objekte mitzubringen – eine Hommage an die verlorene Tradition des Beichtstuhls als Raum für persönliche Reflexion. Die temporären Installationen, oft aus Baustellenmaterial, schaffen dabei eine einzigartige Atmosphäre zwischen Dokumentation und Fiktion.

Die Kiezkapelle ist auch ein Schauplatz für zeitgenössische Kunst und politische Diskurse. Die Gruppenausstellung Fremdkörper etwa untersucht mit 15 Positionen das Thema Des:integration – eine provokante Auseinandersetzung mit Ausgrenzung und Zugehörigkeit. Parallel dazu verwandelt sich der Friedhof in eine „wogende Landschaft“ aus Objekten, Rauminstallationen und Wasserritualen, die den Alltag zwischen Friedhof und urbaner Landwirtschaft neu interpretieren. Musiktheatralische Projekte wie The Present verbinden frühbarocke Chormusik mit modernen Klängen, während Performances wie die Klangreise altägyptische Gerüche historische Reiserouten neu beleben.

Als barrierefreier Ort ohne Eintrittsgeld steht die Kiezkapelle allen offen – ob für den Tag des Offenen Denkmals, Kunstveranstaltungen oder spontane Nachbarschaftstreffen. Sie verkörpert damit den Geist des Jacobi-Friedhofs als lebendiger Ort jenseits der Trauer: ein Raum, der Geschichte bewahrt, aber gleichzeitig Raum für Gegenwart und Zukunft schafft. Zwischen den Prinzessinnengärten und dem U-Bahnhof Hermannstraße wird hier Kultur zum Erlebnis – fernab von klassischen Museumswänden, aber mit derselben Faszination für Geschichten, die uns verbinden.

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