Sammlung Jürgen Wittdorf
Highlights
- Die Sammlung umfasst über 200 Exponate – Zeichnungen, Grafiken, Keramiken und Keramikteller – aus Wittdorfs Nachlass, erworben mit Studio Galerie Berlin.
- Wittdorfs Werke waren Teil der international beachteten Ausstellung ‚Experimente: Art in the Eastern Bloc‘ (Vancouver Art Gallery, 2025) und des Phoenix Art Museum (USA).
Tipps
- Besucher:innen finden neben Gemälden und Zeichnungen auch Leihgaben wie Keramiken und Grafiken, die Teil der Sammlung Jürgen Wittdorf sind und bisher im Künstlerhaushalt lagerten.
- Ein begleitender Katalog dokumentiert die Ausstellung und ist im Rahmen der Präsentation im Onlineshop der beteiligten Galerie erhältlich.
Eigenschaften
Kunstsammlung Jürgen Wittdorf Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg
Die Sammlung Jürgen Wittdorf in Berlin-Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg widmet sich dem Werk des bedeutenden Künstlers Jürgen Wittdorf, dessen Schaffen tief in der DDR-Kunstszene verwurzelt ist. Die Sammlung entstand aus dem persönlichen Nachlass des Künstlers, der seit 1967 in Berlin lebte und hier bis zu seinem Tod aktiv war. Über 200 Werke – darunter Zeichnungen, Grafiken, Aquarelle und Keramiken – bilden heute den Kernbestand, der in Kooperation mit der Studio Galerie Berlin bewahrt und präsentiert wird. Besonders prägend sind Wittdorfs Zyklen wie *„Jugend und Sport“* sowie *„Für die Jugend“*, die gesellschaftliche Motive und Alltagsbilder der DDR einfingen.
Wittdorfs künstlerische Bandbreite reicht von expressiven Holzschnitten wie *„Paar“* (auch als *„Adam und Eva“* bezeichnet) bis zu monumentalen Keramikarbeiten, etwa den über 100 bemalten Tellern für eine Kantine am Petersburger Platz. Seine Keramiken, seit den 1960er-Jahren bis in die 1980er-Jahre entstanden, verbinden handwerkliche Tradition mit sozialkritischem Ausdruck. Die Sammlung dokumentiert zudem seinen frühen Schaffen in den 1950er- und 1960er-Jahren, etwa das Selbstporträt aus Bad Lausick oder Tierstudien aus dieser Zeit. Wittdorfs Werk wurde international rezipiert: Eine Ausstellung im Phoenix Art Museum (USA) und die Teilnahme an der Präsentation *„Experimente: Art in the Eastern Bloc 1960s–1980s“* in der Vancouver Art Gallery zeigten sein künstlerisches Gewicht.
Die Sammlung Jürgen Wittdorf ist Teil eines Netzwerks, das Wittdorfs Werk lebendig hält. Parallel zu Ausstellungen in Berlin kooperiert sie mit der Galerie Rot in Cottbus, wo eine Ausstellung im Dieselkraftwerk – einem der wichtigsten DDR-Kunstarchive – seine Werke einem breiteren Publikum zugänglich machte. Begleitende Kataloge und Veröffentlichungen sichern den Zugang zu Wittdorfs Œuvre. Die Studio Galerie Berlin, die seit 2012 mit dem Künstler zusammenarbeitet, setzt sich weiterhin für dessen Nachlass ein – sei es durch Leihgaben, Ausstellungen oder den Verkauf von Druckgrafiken. So bleibt Wittdorfs Blick auf den DDR-Alltag, ob in Zeichnungen, Holzschnitten oder Keramik, ein zentraler Beitrag zur Kunstgeschichte der Region.
Besonders die Keramiken stachen durch ihre archaische Formensprache hervor, die Wittdorf mit figürlichen Motiven verband. Seine Stilleben und Porträts zeigen eine Meisterschaft in der Darstellung menschlicher Körperhaltung, etwa in Aktzeichnungen mit Rötelkreide. Die Sammlung spiegelt damit nicht nur Wittdorfs künstlerische Entwicklung wider, sondern auch die kulturellen Umbrüche einer Epoche. Durch die Präsentation in Berlin und internationalen Kooperationen wird sein Werk heute neu entdeckt – als Chronist einer Zeit, die zwischen sozialistischem Ideal und Alltagsrealität oszillierte.