Denkmal/Gedenkstätte

Hermann Hirschen

Frankfurter Str. 6, 63065 Offenbach am Main

Highlights

  • Hermann Hirschen wurde 1944 in Offenbach als Sohn jüdischer Eltern geboren und musste später als „Halbjude“ seine Ausbildung abbrechen.
  • Er arbeitete zunächst in der Maschinenfabrik Schmalz, später wurde er in Frankreich als Zwangsarbeiter eingesetzt.
  • Seine Familie konnte nicht emigrieren, ihr Vermögen wurde beschlagnahmt und sie gerieten unter ständige Überwachung der Gestapo.

Tipps

  • Besucher können die Stolpersteine im August-Bebel-Ring verfolgen, um die Geschichte jüdischer Bürger wie Josef Kupczyk und Sali Lorch vor Ort nachzuvollziehen.
  • Das ehemalige Wohnhaus von Josef Kupczyk im August-Bebel-Ring 10 ist heute ein Mahnmal und kann von außen betrachtet werden.
  • Interessierte finden weitere Informationen in der Geschichtswerkstatt Offenbach, die sich mit der NS-Verfolgung und lokalen Geschichte beschäftigt.

Eigenschaften

Bildung Kulturell Ganzjährig

Über Hermann Hirschen

Das Hermann Hirschen in Offenbach am Main ist eine historische Sehenswürdigkeit, die eng mit der jüdischen Geschichte der Stadt sowie dem Schicksal der Familie Kupczyk verbunden ist. Die Bezeichnung bezieht sich auf das Wohn- und Geschäftshaus im August-Bebel-Ring 10, in dem der Unternehmer Josef Kupczyk mit seiner Familie lebte. Kupczyk war Mitte der 1920er Jahre Alleineigentümer der Firma „Fredenhagen“, die bedeutende Förderanlagen für den deutschen Markt produzierte. Sein Engagement und seine unternehmerischen Erfolge machten ihn zu einem angesehenen Bürger von Offenbach.

Die politischen Umbrüche der 1930er Jahre veränderten das Leben der Familie grundlegend. Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten wurde Kupczyk zunehmend diskriminiert und schließlich unter Druck gesetzt, seine Firma an einen sogenannten „arischen Unternehmer“ abzutreten. Im November des Jahres 1938 kam es zu einem gewaltsamen Höhepunkt: Das Familienhaus wurde von NSDAP-Anhängern gestürmt, die Familie bedroht und das Mobiliar zerstört. Josef Kupczyk wurde vor den Augen seiner Angehörigen verhaftet und kurze Zeit später in das KZ Buchenwald deportiert. Nach seiner Freilassung gelang es ihm nur unter erheblichen Schwierigkeiten, ein Visum für Argentinien zu erhalten und das Land zu verlassen – seine Ehefrau und seine drei Kinder blieben zunächst in Deutschland zurück.

Die Kinder Kupczyk – Hermann, Werner und Edith – galten aufgrund ihrer jüdischen Herkunft als sogenannte „Mischlinge“. Sie durften ihre Ausbildung nicht fortsetzen und wurden später zur Zwangsarbeit in Frankreich und im Harz eingesetzt. Ihre Mutter lebte fortan in prekären Verhältnissen, unter ständiger Überwachung durch die Gestapo. Die wirtschaftlichen und sozialen Repressalien gegen die Familie spiegeln das Schicksal vieler jüdischer Familien in Offenbach und ganz Deutschland während der NS-Zeit wider. Josef Kupczyk selbst verstarb 1944 in Buenos Aires, nachdem er erfolglos versucht hatte, eine neue Existenz im Exil aufzubauen.

Das ehemalige Wohnhaus im August-Bebel-Ring 10 steht heute symbolisch für die Verfolgung jüdischer Bürger während des Nationalsozialismus. Es erinnert an die Entrechtung, Vertreibung und Zerstörung jüdischen Lebens in Offenbach und ist Teil eines breiteren Erinnerungsortes, der die Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner im 20. Jahrhundert dokumentiert. Die Geschichtswerkstatt Offenbach widmet sich der Aufarbeitung dieser Ereignisse und setzt sich dafür ein, die Erinnerung an die Opfer lebendig zu erhalten.

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