Brunnenschacht
Highlights
- Der Tiefe Brunnen in Betzenstein ist mit 92 Metern einer der tiefsten gemauerten Brunnen Deutschlands.
- Er wurde von 1543 bis 1549 unter Leitung erfahrener Bergleute erbaut und diente bis 1902 als alleinige Trinkwasserversorgung.
- Seit 1967 beherbergt der Brunnen eine Messstation zur Überwachung des Grundwasserstands.
Tipps
- Bei einer Führung erfahren Besucher Interessantes über die historische Bedeutung und den Bau des Brunnens.
- Das Brunnenhaus beherbergt einen 92 Meter tiefen Schacht, der früher die einzige Trinkwasserversorgung der Stadt war.
- Heute dient der Brunnen auch als Messstation für Grundwasserstände und ist technisch noch voll funktionsfähig.
Eigenschaften
Über Brunnenschacht
Der Brunnenschacht in Betzenstein zählt zu den bemerkenswertesten technischen Denkmälern der Region und ist ein beeindruckendes Zeugnis mittelalterlicher Ingenieurskunst. Mit einer Tiefe von 92 Metern gehört er zu den tiefsten gemauerten Brunnen Deutschlands. Errichtet wurde er in der Mitte des 16. Jahrhunderts, um die Wasserversorgung der Stadt zu sichern. Besonders herausragend ist die Bauweise: Der Schacht wurde Schicht für Schicht mit maßgefertigten Sandsteinquadern abgesichert, ein aufwendiges Unterfangen, an dem zwei Steinmetzmeister und acht Gesellen über mehrere Jahre hinweg arbeiteten. Die dafür benötigten Steine stammten aus dem Nürnberger Land.
Die Idee zur Errichtung des Brunnens ging vom Nürnberger Ratsherrn Jobst Tetzel aus, der über enge Verbindungen zum Bergbauwesen verfügte. Ein Wünschelrutengänger wies den Standort aus, und die eigentlichen Ausgrabungen begannen mit Unterstützung erfahrener Bergleute. Diese verfügten über Kenntnisse aus dem nahegelegenen Mergners und nutzten bergmännische Maßeinheiten wie den Lachter, um die Tiefe zu bestimmen. Obwohl ursprünglich in etwa 48 Metern Tiefe Wasser erwartet wurde, fand man das erste Trinkwasser erst in einer Tiefe von rund 92 Metern. Der Brunnen diente bis 1902 als einzige Trinkwasserversorgung der Stadt und ihrer Umgebung.
Um das Bauwerk vor äußeren Einflüssen zu schützen, wurde 1563 ein Brunnenhaus errichtet. Ursprünglich aus Holz gefertigt, wurde das Schöpfwerk später durch eine eiserne Konstruktion ersetzt. Das Hochziehen eines Eimers Wasser erforderte damals etwa 15 Minuten und die Kraft von zwei starken Männern. Heute ist sowohl der Brunnen als auch das Brunnenhaus vollständig erhalten. Der Brunnen führt nach wie vor Wasser von Trinkwasserqualität und beherbergt seit 1967 eine Messstation des Wasserwirtschaftsamtes, die Veränderungen des Grundwasserstands dokumentiert.
Der Brunnenschacht ist nur im Rahmen einer Führung zugänglich, da er sich innerhalb eines Gebäudes befindet – ein Konzept, das auch von anderen Brunnenanlagen, etwa auf der Nürnberger Kaiserburg, bekannt ist. Interessierte können sich über eine ausführliche Infotafel vor Ort informieren oder an einer Führung teilnehmen, bei der die Geschichte und Technik des Bauwerks anschaulich erklärt wird. Die Führung gilt als informativ und eindrucksvoll, insbesondere die Erklärung der langen Fallzeit des Wassers in die Tiefe.