Denkmal/Gedenkstätte

Informationsort "Freikorps Oberland"

Hans-Miederer-Straße 3, 83727 Schliersee

Highlights

  • 1923 wurde hier ein Denkmal für das Freikorps Oberland errichtet; Adolf Hitler besuchte es 1927 und Erich Ludendorff nahm 1923 an der Einweihung teil.

Tipps

  • Das Oberland-Denkmal am Weinberg bietet Einblicke in die Geschichte des Freikorps Oberland und seiner Rolle während der frühen Weimarer Republik.
  • Die Umgebung des Denkmals ermöglicht eine Verbindung historischer Ereignisse mit der Landschaft des Oberlands und des Schliersees.
  • Die Informationsplakate am Standort erläutern die Entwicklung des Freikorps von der Thule-Gesellschaft bis zur Neuformierung als Bund Oberland.

Eigenschaften

Bildung Kulturell Ganzjährig

Freikorps Oberland Schliersee – Kulturdenkmal

Am Schliersee erinnert der Informationsort „Freikorps Oberland“ an eine der prägendsten, wenn auch umstrittenen Milizen der frühen Weimarer Republik. Gegründet im Jahr 1918 aus den Reihen der Thule-Gesellschaft, einer völkisch-nationalistischen Vereinigung um den Abenteurer Rudolf Freiherr von Sebottendorff, entwickelte sich das Freikorps zu einer der aktivsten gegenrevolutionären Kräfte im süddeutschen Raum. Ursprünglich als militärische Söldnertruppe konzipiert, löste es sich bald von der zivilen Führung und schloss sich den Einwohnerwehren unter dem Forstrat Georg Escherich an – einem Schlüsselakteur der Region um Miesbach und das Oberland.

Der Informationsort dokumentiert die ambivalente Rolle des Freikorps Oberland in der Nachkriegszeit. Während es zunächst als „Ordnungstruppe“ gegen linke Umtriebe und Rätebewegungen eingesetzt wurde, radikalisierte sich der Verband zunehmend. Nach dem gescheiterten Hitler-Ludendorff-Putsch 1923 distanzierte sich ein Teil der Einheit von der politischen Linken, doch die Spannungen blieben. Das Oberland-Denkmal am Weinberg in Schliersee – 1923 errichtet – symbolisiert diesen Wandel: Es ehrt die Gefallenen des Ersten Weltkriegs und wurde später von prominenten Besuchern wie Erich Ludendorff und Adolf Hitler aufgesucht, was die politische Instrumentalisierung des Freikorps verdeutlicht.

Der Ort verbindet historische Aufarbeitung mit regionalem Bezug. Das Freikorps Oberland war eng mit dem Umland verbunden, insbesondere mit den Wäldern und Tälern des Oberlands, die als Rückzugs- und Trainingsgebiete dienten. Die Neuformierung als „Bund Oberland“ 1921 unter ziviler Führung markiert den Übergang zu einer paramilitärischen Organisation, die bis in die 1930er Jahre aktiv blieb. Der Informationsort bietet Einblicke in diese komplexe Epoche – zwischen nationaler Identitätssuche, Gewaltbereitschaft und den Widersprüchen der jungen Republik.

Für Geschichtsinteressierte ist der Ort ein Mahnmal und gleichzeitig ein Stück bayerischer Regionalgeschichte. Er zeigt, wie lokale Strukturen wie die Einwohnerwehren mit überregionalen Strömungen verschmolzen und wie der Schliersee als Schauplatz politischer Radikalisierung fungierte. Die Ausstellung beleuchtet nicht nur die militärischen Einsätze, sondern auch die gesellschaftlichen Konflikte, die das Freikorps Oberland prägten – und die bis heute nachwirken.

Der Informationsort „Freikorps Oberland“ lädt dazu ein, die bewegte Zeit zwischen Kaiserreich und Nationalsozialismus aus einer regionalen Perspektive zu betrachten. Er macht deutlich, wie aus Abenteurern und Freiwilligen eine Kraft wurde, die die politische Landschaft Bayerns nachhaltig prägte – und deren Spuren bis in die Gegenwart nachhallten.

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