Ehem. Dominikanerinnenkloster "Maria zu den Engeln"
Highlights
- 1255 gründete Pfullendorf eine Dominikaner-Herberge, die 1437 als Skapulierträgerinnen verklösterte – Vorläufer des späteren Klosters.
- 1683 erwarb das Kloster das ‚Haus am Kirchhof‘; 17. Jh. war es ein wirtschaftlich aktiver Konvent mit Landwirtschaft und Gästehaus.
- 18. Jh. erreichte die Verklösterung ihren Höhepunkt mit Klausur; heute zeugt ein Steinrelief (17. Jh.) mit Maria und Engeln von der Geschichte.
Tipps
- Der historische Komplex verbindet mittelalterliche Klostertrakte mit barocken Bauelementen und zeigt die Entwicklung einer Frauenkonventsgründung über mehrere Jahrhunderte.
- Die Steinreliefs an der Fassade dokumentieren die religiöse Bedeutung des Klosters, insbesondere das Motiv von Maria mit Engeln als Schutzpatronin.
- Die ehemalige Landwirtschaftsgeschichte spiegelt sich in den erhaltenen Wirtschaftsgebäuden wider, die heute Teil der kulturellen Substanz des Areals darstellen.
Eigenschaften
Dominikanerinnenkloster Maria zu den Engeln – Kulturdenkmal in Pfullendorf
Das ehemalige Dominikanerinnenkloster „Maria zu den Engeln“ in Pfullendorf ist ein bedeutendes Zeugnis der mittelalterlichen Klostertradition in der Region. Seine Ursprünge reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück, als die Dominikaner aus Konstanz eine Herberge westlich der Pfarrkirche St. Dominikus errichteten. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich aus dieser Einrichtung ein eigenständiger Konvent, der sich durch religiöse Praxis und wirtschaftliche Aktivitäten auszeichnete.
Die erste urkundliche Erwähnung von Liegenschaften im Besitz der Frauen stammt aus dem Jahr 1335, als sie ein Lehen im Tiefental sowie ein Gut bei Göggingen erhielten – beide durch Stiftungen gesichert. Die Verklösterung vollzog sich schrittweise, wobei die Einführung der Klausur im 18. Jahrhundert den Höhepunkt bildete. Besonders prägend war der Erwerb des „Hauses am Kirchhof“ zwischen Rathaus und Dominikanerkapelle durch Priorin Anna Katharina Egenroth im Jahr 1683, das später zum Kern des Klosters wurde.
Das Kloster unterhielt enge Verbindungen zur Landwirtschaft: Seit den Anfängen bildete der Besitz agrarwirtschaftlicher Flächen einen zentralen Bestandteil des Einkommens. Um sich gegen die Konkurrenz der nahegelegenen Zisterzienserinnenklöster Wald und Heiligkreuztal zu behaupten, beherbergte „Maria zu den Engeln“ bis ins 17. Jahrhundert eine größere Schwesternzahl. Die Architektur des Komplexes vereint historische Bausubstanz, darunter das älteste Klostertrakt, das „Ramsberger Schlösslein“, mit späteren Erweiterungen wie dem Umbau der „Oberen Färbe“ zu einem Gästehaus.
Ein markantes Zeichen der klösterlichen Identität ist das Steinrelief an der Ostfront zur Hauptstraße, das Maria mit Krone und Zepter sowie vier Engeln zeigt – ein Symbol für den Namen „Maria der Engeln“. Heute bietet das Gelände Einblicke in die Architektur und Lebenswelt einer Dominikanerinnenkommune, die sich durch Spiritualität und wirtschaftliche Selbstständigkeit auszeichnete.
Das Kloster steht als stille Zeugin der regionalen Klosterlandschaft und lädt Besucher ein, die Verbindung von Glauben, Kunst und Alltagsleben des Mittelalters und der frühen Neuzeit zu erkunden. Besonders die Verbindung zu den Zisterzienserinnenklöstern in der Umgebung unterstreicht die Bedeutung des Ortes als Teil eines größeren religiösen Netzwerks in der Region.