Stadtkirche St. Veit und St. Martin
Highlights
- Die Stadtkirche St. Veit (1451) entstand als Hospitalkirche und wurde 1529 nach der Reformation evangelisch – heute zentraler Ort der Wunsiedeler Gemeinde.
- Die St. Martin-Kirche (18. Jh.) entstand nach einem Brand 1731 im Markgrafenstil und fasst 750 Besucher; ihr Kruzifix (um 1500) zeigt eine Christusfigur mit echtem Haar.
Tipps
- Der rollstuhlgerechte Zugang ermöglicht einen ungehinderten Eintritt in die Stadtkirche St. Veit und St. Martin.
- Die zweigeschossigen Emporen bieten Platz für bis zu 750 Personen und zeigen den historischen Markgrafenstil nach dem Brand von 1731.
- Im Altarraum befindet sich ein originalgetreues Kruzifix aus dem 15. Jahrhundert mit einer Christusfigur, die echtes Haar trägt.
Eigenschaften
Kultur-Ausflug: Sakrale Schätze in Wunsiedel
Die Stadtkirche St. Veit und St. Martin in Wunsiedel ist ein prägendes Wahrzeichen der Stadt und ein bedeutendes Beispiel sakraler Architektur mit einer bewegten Geschichte. Ursprünglich als Hospitalkirche im 14. Jahrhundert errichtet, diente sie zunächst als Wallfahrtsort und wurde später durch den wohlhabenden Bürger Sigmund Wann im Rahmen seiner Hospitalstiftung erweitert. Nach der Einführung der Reformation 1529 übernahm die evangelisch-lutherische Gemeinde den Bau und nutzt ihn bis heute als zentrale Pfarrei im Dekanat Wunsiedel, das seit 1568 seinen Sitz in der Stadt hat.
Das heutige Erscheinungsbild der Kirche geht auf den großen Brand von 1731 zurück, bei dem der Sakralbau schwer beschädigt wurde. Im sogenannten *Markgrafenstil* wurde sie anschließend neu aufgebaut und erhielt ihre charakteristischen zweigeschossigen Emporen, die Platz für rund 750 Besucher bieten. Auch nach dem verheerenden Blitzschlag von 1903, der erneut große Schäden verursachte, folgte eine barocke Wiederherstellung – zuletzt 1954 im Stil des 1739 errichteten Gebäudes. Die Kirche ist nicht nur ein architektonisches Juwel, sondern auch ein Ort der Erinnerung: Im Altarraum befindet sich ein Kruzifix aus dem 15. Jahrhundert, dessen Christusfigur mit echtem Haar eine seltene spätmittelalterliche Besonderheit darstellt.
Ein besonderes Kapitel der Kirchengeschichte ist die Zeit des Nationalsozialismus, als die „Spitalkirche“ 1937 von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und den „Deutschen Christen“ überantwortet wurde. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte sie in den Besitz der evangelischen Gemeinde zurück und ist seitdem fest im lokalen Leben verankert. Die Kirche beherbergt zudem wertvolle mittelalterliche Grabmale und Epitaphien, deren Inschriften Einblicke in das Leben der einstigen Wunsiedeler Honoratioren geben. Auch der dazugehörige Friedhof, der im 19. Jahrhundert an der Egerstraße angelegt wurde, zählt zu den denkmalgeschützten Orten der Region.
Neben den regelmäßigen Gottesdiensten in den vier Kirchen des Dekanats bietet die St. Veit- und St. Martin-Kirche ein kulturelles Erbe, das über die Grenzen Wunsiedels hinaus strahlt. Im Sommer finden zudem 14-tägig Freiluftgottesdienste in der nahen Katharinenberg-Ruine statt, die die Verbindung von Geschichte und Spiritualität im Freien erlebbar machen. Mit ihrer barocken Pracht, den historischen Schätzen und der rollstuhlgerechten Zugänglichkeit ist die Kirche ein Ort der Begegnung – für Gläubige wie für alle, die sich für die kulturelle Vielfalt der Region interessieren.