Kleiner Markgrafenstein
Eigenschaften
Über Kleiner Markgrafenstein
Der Kleiner Markgrafenstein in Rauen im brandenburgischen Kreis Oder-Spree zählt zu den bemerkenswertesten Naturdenkmälern der Region und ist zugleich ein beliebtes Ausflugsziel für Natur- und Kulturinteressierte. Gemeinsam mit dem Großen Markgrafenstein bildet er die sogenannten Markgrafensteine, die zu den größten Findlingen in Brandenburg gehören. Diese eindrucksvollen Granitblöcke sind Relikte der Eiszeiten und wurden vor rund 1,2 Milliarden Jahren in Schweden gebildet, bevor sie während der letzten Gletschervorstöße tief in die Markgrafschaft transportiert wurden.
Der Kleine Markgrafenstein ist heute mit einem geschätzten Volumen von 180 Kubikmetern der größte noch verbliebene Findling in Brandenburg und nördlich davon sogar der größte landliegende Findling Deutschlands. Seine beeindruckenden Ausmaße – eine Länge von 5,8 Metern, eine Breite von 5,6 Metern und eine Höhe von 5,7 Metern – verdeutlichen die gewaltige Dimension dieses Naturereignisses. Der Stein besteht aus rotem Karlshamn-Granit, einem Gestein, das in seiner Zusammensetzung und Farbe charakteristisch für die skandinavische Urzeit ist. Die ehemals größere Ausprägung des Großen Markgrafensteins, von dem Teile abgesprengt wurden, unterstreicht die historische Bedeutung dieses Fundorts.
Der Ort des Kleinen Markgrafensteins inmitten der Rauenschen Berge macht ihn zu einem idealen Ziel für Familien und Naturliebhaber. Der gepflasterte Weg zum Stein ermöglicht einen einfachen Zugang zu Fuß oder mit dem Kinderwagen. Vor Ort locken nicht nur die geologischen Besonderheiten, sondern auch die zahlreichen Möglichkeiten zum Erkunden und Spielen – etwa das Klettern auf die Steine oder das Mitführen von Geschichten über sagenumwobene Prinzessinnen. Die ruhige, von hohen Bäumen umstandene Umgebung lädt zum Verweilen ein, begleitet vom Gesang der Vögel und der Stille der Natur.
Die Markgrafensteine standen im Fokus bedeutender deutscher Gelehrter und Künstler. So beschäftigte sich Johann Wolfgang von Goethe mit der Herkunft der Findlinge und vertrat die damalige neptunistische Theorie, wonach diese Steine nicht durch Eis, sondern durch Wasser an ihren jetzigen Standort gelangt seien. Theodor Fontane hingegen besuchte die Steine im späten 19. Jahrhundert und zeigte sich enttäuscht, da sie nicht den von ihm erwarteten, monumentalen Formen entsprachen. Dennoch trugen sie zur literarischen wie geologischen Geschichte der Region bei.
Ein Teil des Großen Markgrafensteins wurde im Zuge einer aufwendigen Aktion nach Berlin transportiert und diente der Herstellung der Granitschale im Lustgarten vor dem Alten Museum. Diese Schale, die aus einem 70 bis 80 Tonnen schweren Mittelstück des Findlings gefertigt wurde, ist bis heute ein Symbol für die Verbindung von Natur und Kultur in der Region. Wer den Kleinen Markgrafenstein besucht, erlebt nicht nur ein geologisches Wunder, sondern auch ein Stück preußischer Geschichte hautnah.