Kirche St. Peter und Paul
Eigenschaften
Über Kirche St. Peter und Paul
Die Kirche St. Peter und Paul in Reichenau ist eine bedeutende romanische Säulenbasilika und zählt zu den historischen Kultstätten der Insel Reichenau im Landkreis Konstanz, Baden-Württemberg. Als Teil der Klosterinsel Reichenau ist sie seit dem Jahr 2000 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt. Die erste Kirche an dieser Stelle wurde bereits im frühen Mittelalter durch den seligen Bischof Egino von Verona gegründet und im Jahr 799 geweiht. Egino zog sich nach seiner Rücktrittsnahme hier in eine Cella zurück, wo er auch begraben wurde. Der ursprüngliche Kirchenbau wurde später durch zwei Brände stark beschädigt und um 1080 durch einen neuen Bau ersetzt, der die heutige Struktur der Basilika bildet.
Die Architektur der Kirche spiegelt den Übergang vom karolingischen Stil zur romanischen Baukunst wider. Die Ostfassade mit ihren später im Mittelalter aufgesetzten Türmen zeigt noch Spuren des ursprünglichen Baustils, wenngleich einige Elemente wie die Apsisfenster im Laufe der Jahrhunderte verändert wurden. Im Inneren sind die strengen Säulenarkaden mit ihren ornamental verzierten Kapitellen erhalten geblieben. Besonders bemerkenswert ist das Apsisgemälde aus dem späten 11. Jahrhundert sowie der reichhaltige Schmuck des Vorgängerbauwerks, der lombardische Einflüsse erkennen lässt und als Vorläufer der späteren Reichenauer Malerschule gilt. Im 18. Jahrhundert wurde das Innere im Rokoko-Stil umgestaltet, darunter auch die Holzdecke durch ein Stuckgewölbe und die Vergrößerung der Fenster.
Ein besonderes Highlight der Kirche ist die historische Orgel aus dem Jahr 1783, erbaut vom Überlinger Meister Johann Baptist Lang. Mit elf Registern auf einem Manual und Pedal gilt sie als kleines, aber feines Instrument, das 2018/19 umfassend restauriert wurde. Auch die Glocken der Kirche sind von hohem kulturhistorischen Wert: Fünf Exemplare aus drei Jahrhunderten schmücken den Glockenturm, wobei neueste Ausgrabungen Hinweise auf eine mittelalterliche Glockengießerschule im 14. Jahrhundert in Niederzell liefern. Über einen Seiteneingang ist zudem die Egino-Kapelle zugänglich, die heute von der benediktinischen Cella St. Benedikt für die Stundengebete genutzt wird.
Die Kirche steht eng mit der geistlichen Tradition der Insel Reichenau verbunden, die bereits im 8. Jahrhundert durch die Gründung des Benediktinerklosters durch den Heiligen Pirmin begann. Seit 2001 kehrte benediktinisches Leben auf die Insel zurück, und die Cella St. Benedikt entwickelte sich zu einem Zentrum geistlicher und kultureller Begegnung. Auch Persönlichkeiten wie Pater Guido Andris haben die Geschichte der Pfarrei mitgeprägt. Die Kirche St. Peter und Paul ist somit nicht nur ein architektonisches Zeugnis der frühen deutschen Geschichte, sondern auch ein lebendiger Ort des Glaubens und der Andacht.