Bronzeplastik „Jahrhundertschritt“ von Wolfgang Mattheuer
Highlights
- Wolfgang Mattheuers ‚Jahrhundertschritt‘ (1984) ist eine ikonische Bronzeplastik der DDR-Kunst, die die Zerrissenheit des 20. Jahrhunderts symbolisiert.
- Die Skulptur wurde 1985 auf der letzten Bezirkskunstausstellung Leipzig als bedeutendstes Werk der DDR ausgezeichnet und prägte den politischen Diskurs.
- Zwei Meter hohe Bronzekopien markieren seit den 1990ern als Wahrzeichen die Eingänge der Stiftung Haus der Geschichte in Bonn und Leipzig.
Tipps
- Die Skulptur befindet sich im Innenhof eines historischen Gebäudes und bietet sich für eine ruhige Betrachtung unter freiem Himmel an.
- Ein Informationsblatt oder eine Beschilderung am Standort erläutert die historische und künstlerische Bedeutung der Bronzegestalt.
- Die räumliche Anordnung der Plastik ermöglicht eine Betrachtung aus verschiedenen Perspektiven, etwa von der Seite oder aus leichtem Abstand.
Eigenschaften
Bronzeplastik „Jahrhundertschritt“ – Reichenbach Vogtland
Die Bronzeplastik „Jahrhundertschritt“ von Wolfgang Mattheuer zählt zu den bedeutendsten Kunstwerken der DDR und ist ein eindringliches Symbol für die Zerrissenheit des 20. Jahrhunderts. Die Skulptur, geschaffen 1984, verkörpert in ihrer zerrissenen, dialektischen Gestalt die tiefgreifenden Brüche und Konflikte einer geteilten Epoche. Mattheuer, dessen Werk sich über Malerei, Grafik und Plastik erstreckt, entwickelte mit dem „Jahrhundertschritt“ eine mythische Figur, die bereits in frühen Werken angelegt war. Die Plastik wurde 1985 erstmals auf der Leipziger Bezirkskunstausstellung präsentiert und später auf der letzten großen Kunstausstellung der DDR in Dresden gezeigt. Dort wurde sie als herausragendes Werk ausgezeichnet, da sie in einer Zeit politischer Restriktionen als Medium des Diskurses diente.
Die Figur des „Jahrhundertschritts“ gilt als höhnisch-bitterer Abgesang auf moderne Diktaturen und wurde schnell zu einem Wahrzeichen der deutschen Teilungsgeschichte. Ihre symbolträchtige Wirkung überdauerte die Wende: 1988 wurde sie in der Ausstellung „Zeitvergleich ’88“ in den alten Bundesländern gezeigt, wo sie als Brücke zwischen Ost und West interpretiert wurde. Besonders prägend war ihre spätere Verankerung im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn, wo sie als Eingangssymbol diente. Ein fünf Meter hoher Bronzeguss der Skulptur markiert dort bis heute den Übergang zur Ausstellung, die die deutsche Teilung und Wiedervereinigung thematisiert. Die Plastik wurde auch im Museum Barberini in Potsdam präsentiert, wo sie 2017 im Innenhof zu sehen war.
Der „Jahrhundertschritt“ ist nicht nur ein Kunstwerk, sondern ein zeitgeschichtliches Dokument, das die Spannungen zwischen Fortschritt und Rückschritt, Einheit und Spaltung aufgreift. Seine zerrissene Gestalt spiegelt die Ambivalenzen einer Epoche wider, die von Ideologien geprägt war. Als Teil der Sammlung des Ludwig Forums für Internationale Kunst in Aachen und als zentrales Element der Ausstellungskultur der DDR und der Bundesrepublik bleibt die Skulptur ein faszinierendes Zeugnis künstlerischer Positionierung. In Reichenbach im Vogtland, ihrem ursprünglichen Standort, steht sie als Mahnmal und künstlerische Provokation – ein Werk, das bis heute zum Nachdenken über die Vergangenheit und Gegenwart einlädt.
Besucher des Ortes können die Plastik als Teil des kulturellen Erbes der Region erleben, die selbst durch die Nähe zum Vogtland und seine historische Bedeutung geprägt ist. Der „Jahrhundertschritt“ verbindet somit lokale Identität mit überregionaler Bedeutung und bleibt ein zentraler Punkt für alle, die sich mit der Kunst und Geschichte der DDR auseinandersetzen. Seine kraftvolle Präsenz macht ihn zu einem unverzichtbaren Anlaufpunkt für Kulturinteressierte und Geschichtsbegeisterte.