Genossenschaft der Cellitinnen Mutterhaus der Augustinerinnen
Highlights
- Seit 1838 pflegen Cellitinnen in Köln kranke Armen und gründen 1870 ein Krankenhaus mit chirurgischer Station.
- 1964 beginnt die internationale Ausrichtung: 16 indische Novizinnen treten in die Gemeinschaft ein; 1994 wird die Provinz Deutschland gegründet.
Eigenschaften
Kultur & Sakrales im Kölner Mutterhaus der Augustinerinnen
Das Mutterhaus der Augustinerinnen in Köln zählt zu den bedeutendsten sakralen und caritativen Einrichtungen der Stadt und ist eng verbunden mit der Geschichte der Genossenschaft der Cellitinnen, einer Kongregation, die sich seit dem 19. Jahrhundert für Krankenpflege, soziale Fürsorge und Bildung einsetzt. Die Wurzeln der Gemeinschaft reichen bis ins Mittelalter zurück, als in Köln Beginenhöfe entstanden, die sich der ambulanten Krankenpflege widmeten. Im Laufe des 15. Jahrhunderts entwickelten sich diese Laiengemeinschaften zu klösterlichen Konventen, die nach der Regel des Heiligen Augustinus lebten und sich als Cellitinnen bezeichneten.
Im Jahr 1838 wurde die Kölner Armenverwaltung auf die Cellitinnen aufmerksam und bat sie um Unterstützung. Die Schwestern übernahmen zunächst Aufgaben in der Krankenpflege, doch erst durch ein Statut von 1840 wurden ihre Rechte und Pflichten klar geregelt. Eine erste große Herausforderung folgte 1849, als die Schwestern während der Cholera-Epidemie ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen mussten. Der Durchbruch kam 1870, als das Kloster das Bürgerhospital übernahm und eine moderne Heil- und Pflegeanstalt einrichtete – eine Station, die sich später zu einem vollwertigen Krankenhaus entwickelte. Bis 1945 gründeten oder übernahmen die Cellitinnen insgesamt 47 Niederlassungen, wobei ihr Engagement nicht nur auf die Medizin beschränkt blieb.
Neben der Krankenpflege widmeten sich die Schwestern zunehmend sozial-caritativen Aufgaben. Sie leiteten Fürsorgeheime für junge Mütter in Not, förderten die Ausbildung von Frauen und waren in sozialen Brennpunkten Kölns aktiv. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Erhaltung kultureller Stätten, etwa der Heisterbacher Chorruine, deren heruntergekommene Gebäude jedoch eine zusätzliche Belastung darstellten. Der Zweite Weltkrieg beendete 1944 die Tätigkeit im Bürgerhospital, als die letzten sieben Schwestern das völlig zerstörte Gebäude verließen – ein symbolischer Einschnitt in der Geschichte der Gemeinschaft.
Ab den 1960er-Jahren öffnete sich der Orden neuen Horizonten: 1964 begannen die Cellitinnen, indische Kandidatinnen als Novizinnen aufzunehmen, was den Beginn ihrer internationalen Arbeit markierte. Seit 1951 sind sie Teil des weltweit tätigen Augustinerordens (OSA) und unterstehen der Generalleitung in Heisterbach bei Königswinter. 1994 wurde die Provinz Deutschland gegründet, die zwar autonom agiert, aber weiterhin eng mit der Mutterkongregation verbunden bleibt. Ein zentraler Meilenstein war 2001, als die Schwestern ihr 1838 gegründetes Werk in die Trägerschaft der Stiftung der Cellitinnen übergaben – ein Akt, der ihre langjährige Hingabe an den christlichen Dienst unterstreicht.
Heute vereint das Mutterhaus in Köln die Tradition einer jahrhundertelangen caritativen Arbeit mit modernen Herausforderungen. Die Cellitinnen bleiben dabei ihrem ursprünglichen Auftrag treu: der Nächstenliebe in Form von Krankenpflege, Bildung und sozialer Unterstützung. Ihr Wirken spiegelt die Dynamik des Ordens wider, der sich seit dem Mittelalter bis in die Gegenwart als Brückenbauer zwischen Glauben und gesellschaftlichem Engagement erweist.