Denkmal/Gedenkstätte

Bodan Werft Areal

Bodanstraße 10, 88079 Kressbronn am Bodensee

Highlights

  • Das Bodan-Werft-Areal in Kressbronn ist seit 1877 industriell genutzt und unter Denkmalschutz als historische Werftstandort.
  • Hier entstanden ab 1919 Schiffe wie das 1925 gelieferte Motorschiff Konstanz – eine der wenigen lokalen Werften für Bodensee-Schiffsbau.
  • Während des Krieges baute die Werft Pionier-Landungsboote (Typ 39–45) und später Schwimmbadbecken, die ihr Erbe prägten.

Tipps

  • Auf dem Gelände sind Reste von Kriegsbauten wie eine unvollendete Instandsetzungshalle für Frontboote sowie historische Pionier-Landungsboote aus dem Zweiten Weltkrieg zu erkennen.

Eigenschaften

Bildung Kulturell Ganzjährig

Bodan Werft Areal – Kulturdenkmal Kressbronn am Bodensee

Die Wurzeln reichen bis ins Jahr 1877 zurück, als Johann Baptist Malang hier eine „Cementwarenfabrik“ und einen „Cementhandel“ gründete. Später folgte eine Ziegelei (1893–1898) sowie ein Gipser- und Stuckateurbetrieb (ab 1904), der bis 1921 bestand. Ein kleines Hafenbecken an der östlichen Grenze des Geländes wurde ab 1922 an die Bodan-Werft verpachtet und markierte den Beginn der späteren Schiffbaugeschichte.

Die eigentliche Bodan-Werft entstand 1919 als eigenständiges Unternehmen und entwickelte sich zur einzigen Werft am Bodensee, die „vor Ort“ neue Schiffe bauen konnte – im Gegensatz zu anderen Betrieben wie Escher Wyss & Cie., die auf Reparaturen spezialisiert waren. Das Gelände wurde schrittweise erweitert, darunter eine große Sliphalle und ein Areal für zukünftige Erweiterungen. Diese Pläne verknüpften sich mit Überlegungen, den Bodensee durch Kanäle für die überregionale Binnenschifffahrt zu erschließen. Ein markantes Gebäude aus der Frühzeit der Werft, ursprünglich als Wohn- und Werkstattgebäude genutzt, diente später als Büro und wurde mehrfach erweitert.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Areal für kriegsrelevante Aufgaben genutzt. Direktor Otto Kempf erwarb das Gelände 1941 und ließ eine Instandsetzungshalle für an der Front beschädigte Boote errichten, die jedoch nur teilweise fertiggestellt wurde. Die Bodan-Werft war zudem an der Entwicklung und dem Bau von Pionier-Landungsbooten (Typ 39, 40, 41, 43 und 45) beteiligt, die für das „Unternehmen Hannibal“ eingesetzt wurden. Ein Exemplar des Typs 41 steht heute als Denkmal in Oberschleißheim. Neben diesen Aufgaben entstanden auch zwei Anlegebrücken, eine direkt bei der Werft und eine in Thunau.

Nach dem Krieg spezialisierte sich die Bodan-Werft auf den Bau von Spezialschiffen, darunter Motorschiffe wie das 1925 gelieferte MS *Konstanz* für die Dampfbootgesellschaft Untersee und Rhein. In den 1950er-Jahren folgten Aufträge für die Tschechoslowakei (Schnellboote) und die Schweiz (MS *Ville de Morat* für den Neuenburgersee). Ein besonderes Highlight war die „Raubvogelklasse“ (MS *Adler*, *Falken*, *Habicht*, *Sperber*), die 1953 für die Deutsche Bundesbahn gebaut wurde und durch ihre zerlegbaren Pontons bestach. Später kamen Fähren wie die Bodan-Fähre hinzu, die sowohl für Truppen- als auch für Materialtransporte genutzt wurden.

In den 1980er-Jahren wandelte sich die Werft zu einem modernen Industrieunternehmen, das sich auf den Bau von Edelstahl-Schwimmbadbecken spezialisierte – ein Geschäftsfeld, das sich als besonders lukrativ erwies. Heute zeugt das Bodan Werft Areal von einer faszinierenden Industriegeschichte, die von der Zementproduktion über den Schiffbau bis hin zur modernen Fertigungstechnik reicht. Das Gelände ist ein lebendiges Dokument der regionalen Wirtschafts- und Technikgeschichte am Bodensee.

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