Alte Stummsche Kirche
Highlights
- Neoromanische Stumm-Kirche (1884–1885) mit halbrunder Apsis, ursprünglich für die adlige Familie Stumm als Privatkapelle erbaut.
- Denkmalgeschütztes Kirchengebäude mit neogotischem Alternativentwurf, der nie umgesetzt wurde – stattdessen romanische Rundbögen und Lisenen.
- Nach Kriegszerstörungen 1945–1948 restauriert; heute Teil des evangelischen Kirchenzentrums Brebach-Fechingen nach Fusion der Gemeinden.
Tipps
- Die neoromanische Fassade der Kirche zeigt ein historisches Eingangsportal mit Rundbögen, das an mittelalterliche Sakralarchitektur erinnert und als Einzeldenkmal geschützt ist.
- Im Inneren finden sich originale Fenster mit religiösen Darstellungen, darunter ein Rundfenster von 1954, das die vier Evangelistensymbole sowie Apostel und Christus zeigt.
- Die Kirche liegt auf einem ehemaligen Friedhofsgelände, was ihre historische Atmosphäre durch die umgebende Bebauung und den sakralen Ursprung unterstreicht.
Eigenschaften
Alte Stummsche Kirche Saarbrücken – Kulturdenkmal
Die Alte Stummsche Kirche in Saarbrücken ist ein bedeutendes historisches Denkmal, das als Einzeldenkmal im Denkmalensemble der Stummstraße geschützt ist. Erbaut im Stil der rheinischen Neuromanik, vereint das Gebäude architektonische Besonderheiten, die es zu einem einzigartigen Beispiel sakraler Baukunst im Saarland machen. Ursprünglich für die adlige Familie Stumm errichtet, diente sie als privater Gottesdienstraum für die durch Kaiser Friedrich III. geadelte Familie, die von Schloss Halberg aus mit der Kutsche anreiste.
Der Bau entstand im späten 19. Jahrhundert und orientierte sich an katholischen Formen, obwohl die Familie evangelisch war. Ursprünglich sollte die Kirche im neogotischen Stil realisiert werden – ein Entwurf, der dem zeitgenössischen Schlossbau auf dem Halberg entsprach. Doch schließlich setzte sich ein neoromanischer Entwurf durch, der eine halbrunde Apsis und eine „mittelalterlich-katholisch“ wirkende Chorbetonung vorsah. Das vierachsige Kirchenschiff mit flacher Holzdecke wirkt heute wie ein Relikt aus einer ländlichen Barocktradition, besonders durch das Krüppelwalmdach über der Apsis.
Im Inneren beherbergte die Kirche einst wertvolle sakrale Kunstwerke, darunter ein Altarkreuz mit Korpus aus dem späten 19. Jahrhundert und ein von einem Künstler gestaltetes Rundfenster mit den Symbolen der vier Evangelisten sowie Apostel- und Christusdarstellungen. Diese Fenster sind heute im evangelischen Kirchenzentrum Brebach-Fechingen ausgestellt. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche zwischen 1945 und 1948 umfassend restauriert und später 1936 der Gemeinde geschenkt.
Die Geschichte der Stummschen Kirche spiegelt den Wandel zwischen privater Adelsinitiative und öffentlicher Nutzung wider. Nach der Fusion der evangelischen Gemeinden von Brebach und Fechingen in den 1970er Jahren verlor sie ihre ursprüngliche Funktion als Gottesdienstraum, blieb jedoch als historisches Bauwerk erhalten. Als Teil des Denkmalensembles Stummstraße zeugt sie heute von der architektonischen Vielfalt des 19. Jahrhunderts im Saarbrücken und der Verbindung zwischen regionaler Adelsgeschichte und sakraler Baukunst.
Obwohl die Kirche heute keine aktive Gemeinde mehr beherbergt, bleibt sie ein faszinierendes Zeugnis der Neuromanik und der kulturellen Schichtung des 19. Jahrhunderts. Ihr neoromanisches Portal mit der Inschrift *„Siehe, das ist Gottes Lamm“* sowie die ungewöhnliche Kombination aus evangelischem Kult und katholischer Bauform machen sie zu einem besonderen Ort für Geschichtsinteressierte und Architekturbegeisterte.