Denkmal/Gedenkstätte

Fremde im Visier

Mühlenberger Weg 54, 22587 Altona

Highlights

  • Die Ausstellung ‚Fremde im Visier‘ zeigt Privatfotoalben von Wehrmachtssoldaten mit Bildern aus dem Zweiten Weltkrieg und analysiert deren Bildästhetik und Kontext.
  • Eröffnet 2009 in Oldenburg, reiste die Schau bis 2012 durch sieben Städte, darunter München, Frankfurt und Graz, mit Fokus auf Kriegsfotografie und Fremdwahrnehmung.
  • Die Ausstellung entstand aus Forschung zu Privatfotografie von Soldaten und verbindet historische Bildanalysen mit Zeitzeugengesprächen zur Kriegs- und Nachkriegszeit.

Tipps

  • Die Ausstellung zeigt originale Fotoalben von Wehrmachtsoldaten, die Einblicke in persönliche Perspektiven und kollektive Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs bieten.
  • Ein interaktives Element ermöglicht Besuchern, ausgewählte Alben unter fachkundiger Anleitung genauer zu analysieren und zu diskutieren.
  • Die Präsentation verbindet historische Kontexte mit ästhetischen Aspekten der Kriegsfotografie und thematisiert dabei Ambivalenzen des Bildblicks.

Eigenschaften

Bildung Kulturell Ganzjährig

Altona: Kulturdenkmal „Fremde im Visier“ entdecken

Die Ausstellung „Fremde im Visier“ im altonaer Kontext thematisiert ein zentrales, aber oft verdrängtes Kapitel der Kriegsfotografie: die privaten Bildwelten deutscher Wehrmachtsoldaten während des Zweiten Weltkriegs. Ausgehend von überraschenden Funden in Fotoalben und Gesprächen mit Nachkommen entstand ein einzigartiges Projekt, das die Ambivalenzen des Blicks auf „Fremde“ – ob als Gegner, Besetzte oder „Andere“ – systematisch aufarbeitet. Die Präsentation verbindet persönliche Dokumente mit historischer Einordnung und zeigt, wie Kriegsalltag, Machtverhältnisse und kollektive Narrative in den Bildern sichtbar werden.

Im Mittelpunkt stehen die Fotoalben selbst, die als Spiegel der soldatischen Perspektive dienen. Die Ausstellung analysiert nicht nur die Motive – von propagandistischen Inszenierungen bis zu scheinbar harmlosen Alltagsaufnahmen –, sondern auch die ästhetischen Mittel ihrer Herstellung. Besonders aufschlussreich sind die Kontraste: Während einige Soldaten ihre Opfer als „Feinde“ entmenschlichten, dokumentieren andere Momente der Begegnung, die zwischen Gewalt und kurzer Menschlichkeit oszillieren. Diese Widersprüche werfen Fragen nach Schuld, Mitläufertum und individueller Verantwortung auf.

Die Ausstellung wurde erstmals 2009 im Stadtmuseum Oldenburg gezeigt und reiste seither durch mehrere Stationen, darunter das Armeemuseum Delft in den Niederlanden und das Joanneum in Graz. Jede Präsentation umfasste Begleitprogramme wie Kuratorinnenführungen oder Schulprojekte, etwa das Format „Ihr Album unter der Lupe“, bei dem Nachkommen und Historiker:innen gemeinsam die Dokumente untersuchten. Solche Formate betonen den dialogischen Charakter der Ausstellung: Sie lädt nicht nur zum Betrachten ein, sondern zum kritischen Hinterfragen der eigenen Wahrnehmung von Geschichte.

Kuratorin Petra Bopp, Expertin für Kriegsfotografie und Orientalismus in der Bildkultur, verbindet in der Ausstellung wissenschaftliche Präzision mit einer sensiblen Aufarbeitung der Quellen. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf der Privatfotografie der Wehrmacht, insbesondere der Darstellung von Gewalt und Fremdheit in den Alben. Die Ausstellung zeigt damit, wie sehr individuelle Bildwelten von kollektiven Gewaltstrukturen geprägt sind – und wie sehr sie diese wiederum reproduzieren oder relativieren. Für Altona als historischen Ort des Widerstands und der Migration bietet sie zudem einen Gegenentwurf zu lokalen Narrativen: Sie erinnert daran, dass auch in der eigenen Stadtgeschichte solche Mechanismen wirksam waren.

„Fremde im Visier“ ist damit mehr als eine Ausstellung über Kriegsfotografie: Sie ist ein Appell, die Mechanismen der Entmenschlichung zu erkennen und die Verantwortung des Blicks zu thematisieren. Indem sie private und öffentliche Bilder in Dialog setzt, wird deutlich, wie sehr die Inszenierung von „Fremdheit“ bis heute nachwirkt – und warum ihre Aufarbeitung auch heute noch dringend notwendig ist. Die Präsentation eignet sich daher besonders für Besucher:innen, die sich mit den Ambivalenzen von Erinnerung, Medien und Gewalt auseinandersetzen möchten.

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