Queer im Museum
Highlights
- Die Stiftung Mecklenburg sammelt seit 1973 Erinnerungsstücke von Vertriebenen nach 1945 und zeigt Flucht- und Exilerfahrungen in Mecklenburg.
- Im Bestand der Stiftung finden sich Mencke-Fotos: historische Aufnahmen mecklenburgischer Herrenhäuser und Gutsanlagen aus dem 19. Jahrhundert.
- Künstlerkolonien wie Ahrenshoop prägten die mecklenburgische Landschaftsmalerei – darunter Werke von Malerinnen wie Marie Hager und Helene Dolberg.
Tipps
- Die Ausstellung thematisiert queere Perspektiven in der mecklenburgischen Kunst- und Erinnerungskultur seit dem 19. Jahrhundert und zeigt deren gesellschaftliche Relevanz auf.
- Besucher finden in den historischen Fotografien und Kunstwerken Hinweise auf Lebensrealitäten von Menschen, die sich den gesellschaftlichen Normen ihrer Zeit widersetzten.
- Die Präsentation verbindet persönliche Erinnerungsstücke mit künstlerischen Ausdrucksformen und verdeutlicht so die Vielfalt queerer Identitäten in der Region.
Eigenschaften
Queer im Museum Schwerin – Kultur-Ausflug
Das „Queer im Museum“ in Schwerin ist ein besonderes Ausstellungsprojekt, das sich mit der Geschichte und Kultur queerer Lebenswelten in Mecklenburg auseinandersetzt. Im Kontext der Stiftung Mecklenburg – einer Sammlung, die seit Jahrzehnten Erinnerungsstücke von Menschen bewahrt, die nach 1945 ihre Heimat verließen – rückt die Ausstellung queere Perspektiven in den Fokus. Die Stiftung, die ursprünglich durch private Initiativen entstand, hat sich zum Ziel gesetzt, vergessene Geschichten sichtbar zu machen – darunter auch die von Menschen, deren Identität und Lebensweise jahrzehntelang tabuisiert wurden.
Der kunst- und kulturgeschichtliche Bestand der Stiftung spiegelt dabei nicht nur die Entwicklung mecklenburgischer Künstler seit dem späten 19. Jahrhundert wider, sondern auch die vielfältigen Einflüsse, die von außerhalb nach Mecklenburg strömten. Besonders die Künstlerkolonien wie Ahrenshoop oder Schwaan zeigen, wie Künstler:innen aus ganz Europa in ländliche Regionen flohen, um der Industrialisierung zu entgehen. Doch während diese Kolonien oft als Orte der künstlerischen Freiheit galten, blieben queere Lebensentwürfe darin kaum thematisiert – ein Umstand, den „Queer im Museum“ nun aufdeckt.
Die Ausstellung verbindet historische Dokumente mit zeitgenössischen Perspektiven und thematisiert, wie queere Menschen in Mecklenburg ihre Identität lebten, oft im Verborgenen. Dabei werden auch die Brüche sichtbar, die durch politische Systeme wie die DDR entstanden: Viele Künstler:innen, die in Mecklenburg geboren wurden, fanden nach 1945 außerhalb ihres Heimatlandes neue Ausdrucksformen – nicht selten, weil ihre künstlerische und persönliche Freiheit in der DDR eingeschränkt war. Die Stiftung bewahrt diese Werke bis heute und macht sie so für neue Erzählungen zugänglich.
Ein zentraler Aspekt der Ausstellung ist die Frage, wie Erinnerung und Identität in einer Gesellschaft gelebt werden, die lange von Normen geprägt war. Durch Fotografien, Kunstwerke und persönliche Gegenstände werden queere Geschichten sichtbar gemacht, die bisher oft unsichtbar blieben. „Queer im Museum“ zeigt damit nicht nur die Vielfalt mecklenburgischer Kultur, sondern auch, wie Museen als Orte der Erinnerung und des Widerstands gegen Vergessen fungieren können.
Für Besucher:innen bietet die Ausstellung eine einzigartige Möglichkeit, die Geschichte Mecklenburgs aus einer neuen, inklusiven Perspektive zu betrachten. Indem sie historische und moderne Narrative verbindet, wird „Queer im Museum“ zu einem Ort der Reflexion – und ein wichtiger Beitrag zur kulturellen Aufarbeitung in der Region.