Anna-Mathilde
Highlights
- Anna-Mathilde war eine Bergbausiedlung in der Niederlausitz und entstand als Werkssiedlung der Brikettfabrik Anna Mathilde.
- Der Ortsteil wurde in den Jahren 1986 bis 1988 aufgelöst und die Einwohner umgesiedelt.
- Bereits 1903 begann der Bau der Siedlung, 1930 wurde die katholische Kirche St. Bonifatius eingeweiht.
Tipps
- Das ehemalige Anna-Mathilde ist heute vom Großräschener See umgeben und eignet sich gut für Radtouren auf der befestigten Straße rund um den See.
- Frühere Bergbausiedlung mit guter Anbindung an Senftenberg – ideal für historisch interessierte Besucher, die die Niederlausitz erkunden möchten.
Eigenschaften
Über Anna-Mathilde
Anna-Mathilde liegt im brandenburgischen Senftenberg, im Kreis Oberspreewald-Lausitz, direkt am Großräschener See. Der ehemalige Ortsteil von Sedlitz entstand Anfang des 20. Jahrhunderts als Bergbausiedlung und war eng mit der gleichnamigen Brikettfabrik verbunden. Ursprünglich als Wohngebiet für Fabrikarbeiter angelegt, entwickelte sich Anna-Mathilde rasch zu einer eigenständigen Siedlung mit eigener Infrastruktur. Die Eisenbahnstrecke Lübbenau–Senftenberg–Kamenz, die 1874 eröffnet wurde, verband den Ort mit der Region.
Die Geschichte des Ortes reicht weiter zurück: Bereits in früher Zeit siedelten Menschen in der Gegend, angezogen von den Wasserquellen und fruchtbaren Böden. Archäologische Funde in der Nähe der Roickmühle belegen eine Besiedlung aus der Urnenfelderzeit. Im Zuge der Industrialisierung entstanden ab 1900 die ersten Wohnhäuser, gefolgt von weiteren Arbeiter- und Beamtenhäusern. Neben Wohnraum wurden auch soziale Einrichtungen geschaffen, darunter ein Kaufhaus, eine Bäckerei, ein Postamt und ein Gasthaus. 1919 wurde ein großes Badehaus errichtet, das von der gesamten Bevölkerung genutzt wurde. Eine katholische Kirche, 1930 geweiht, diente vor allem polnischen Zuwanderern als Gotteshaus, wurde jedoch 1945 im Zweiten Weltkrieg zerstört und später wiederaufgebaut, ehe sie 1986 erneut abgerissen wurde.
Nach 1945 ging der Betrieb der Brikettfabrik sowie der Wohnbestand in Volkseigentum über. Ein Kulturhaus wurde 1952 eröffnet. Mit Beginn der großflächigen Braunkohleausbeutung im Tagebau Meuro in den 1960er Jahren begann der Niedergang der Siedlung. Zwischen 1986 und 1988 erfolgte die vollständige Umsiedlung der rund 685 Bewohner, hauptsächlich in die Plattenbaugebiete von Großräschen und Senftenberg. Der Ort wurde schließlich abgebaut, die Gebäude entfernt. Heute erinnert nur noch ein Gedenkstein an der östlichen Ortskante von Sedlitz an die ehemalige Gemeinde, die knapp ein Jahrhundert bestand.
Heute liegt Anna-Mathilde unter Wasser des Großräschener Sees, der durch die Flutung der ehemaligen Braunkohlegruben entstand. Die ehemalige Ortslage ist nicht mehr sichtbar, lediglich die Erinnerung an das Dorf bleibt erhalten. Die Landschaft rund um den See bietet eine ruhige und naturnahe Umgebung, die sich für Spaziergänge oder Radtouren eignet. Ein befestigter Weg um den See ermöglicht einen einfachen Zugang zur ehemaligen Siedlung. Die Aussicht über das Gewässer zieht Besucher an, auch wenn die historischen Spuren vor Ort spärlich sind.