Kirche/Kloster

Alt St. Thomae

Thomästraße 72, 59494 Soest

Highlights

  • Alt St. Thomae in Soest ist eine der ältesten gotischen Kirchen Deutschlands und wurde um 1180 gegründet.
  • Der schiefe Turmhelm entstand 1653 und neigt sich westwärts, möglicherweise durch Bauschäden oder Wind.
  • Die Kirche verfügt über einen historischen Kirchgarten und ist die einzige evangelische Gemeinde mit Gottesdiensten unter dem Turm.

Tipps

  • Der schiefe Turm der Alt St. Thomae entstand 1653 und neigt sich westwärts – ein besonderes Bauwerkzeug des 17. Jahrhunderts.
  • Die Kirche zählt zu den ältesten gotischen Kirchen Deutschlands und wurde erstmals 1270 erweitert.
  • Heute finden Gottesdienste unter dem Turm statt, der Kirchenraum bleibt größtenteils unverputzt und bodenlos.

Eigenschaften

Entspannt Kulturell Ganzjährig

Über Alt St. Thomae

Die Alt St. Thomae in Soest ist eine evangelische Kirche mit einer über 800-jährigen Geschichte und zählt zu den bedeutendsten sakralen Bauten der Stadt. Ursprünglich im 12. Jahrhundert als romanische Kirche errichtet, wurde sie im 13. Jahrhundert im Stil der Frühgotik erweitert und gehört damit zu den ältesten gotischen Hallenkirchen Deutschlands. Der Name „Alt St. Thomae“ dient zur Unterscheidung von der nahegelegenen ehemaligen Klosterkirche Neu St. Thomae. Die Kirche liegt unmittelbar an der ehemaligen Stadtumwallung und ist die einzige der Soester Kirchen, die noch über einen eigenen Kirchgarten verfügt.

Bekannt ist die Alt St. Thomae vor allem durch ihren markanten, schiefe Turm, der im Volksmund „Schiefer Turm“ genannt wird. Der eigentliche Turmhelm entstand jedoch erst im 17. Jahrhundert und wurde vom Stadtzimmerer Goebel Styes erbaut. Die Schiefstellung resultiert vermutlich aus Fäulnis im Tragwerk des Dachstuhls, wie Holzuntersuchungen nahelegen. Eine weitere Deutung sieht als Ursache die ständige Belastung durch Westwinde, denen sich der Turm gewissermaßen entgegenneigt. Frühere Erklärungen, die die Schiefstellung symbolischen Huldigungen gegenüber den Kölner Erzbischöfen zuschreiben, sind hingegen unhaltbar, da Soest bereits seit 1449 nicht mehr unter deren Herrschaft stand.

Die Kirche hat zahlreiche historische Zeiten durchlaufen. Nach einem Vorgängerbau aus dem 9. Jahrhundert wurde der romanische Vorgänger der heutigen Kirche um 1180 erbaut. Im Zuge der Erweiterung zur gotischen Hallenkirche im 13. Jahrhundert erhielt das Bauwerk sein charakteristisches Erscheinungsbild. Im 19. Jahrhundert stand die evangelisch-reformierte Kirche kurz vor dem Abriss, ehe sie 1945 im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt wurde. Diese Spuren der Zerstörung sind bis heute sichtbar: Der Kirchenraum bleibt größtenteils unverputzt, ohne einheitlichen Bodenbelag, während Gottesdienste der kleinen evangelisch-reformierten Gemeinde meist unterhalb des Turms stattfinden.

Im Turm der Alt St. Thomae befinden sich drei Glocken aus verschiedenen Jahrhunderten, darunter eine alte Betglocke, die zu den klanglich besten ihrer Zeit in Westfalen gehört. Die Glocken erklingen gemeinsam in einem verminderten Dreiklang. Auch die Orgel der Kirche hat eine eigene Geschichte, die sie mit anderen regionalen Kirchen verbindet, wie etwa mit der Orgel von St. Andreas in Ostönnen.

Die Alt St. Thomae ist nicht nur ein architektonisches Zeugnis der Soester Stadtgeschichte, sondern auch ein Ort, der durch seine besondere Bauweise und die Erzählungen um den schiefe Turm fasziniert. Ihre exponierte Lage inmitten der historischen Stadtmauern und ihr eigenständiger Kirchgarten machen sie zu einem bemerkenswerten kulturellen und sakralen Ort in Nordrhein-Westfalen.

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