Kirche/Kloster

ehem. Synagoge Wetzlar mit Gedenktafel

Pfannenstielsgasse, 61279 Wetzlar

Highlights

  • Die ehem. Synagoge in Wetzlar entstand im 18. Jahrhundert; 1810 lebten hier etwa 91 jüdische Einwohner (2,13 % der Bevölkerung).
  • Die Synagoge erinnert an die jüdische Geschichte Wetzlars vor und während des Holocaust – heute mit Gedenktafel gewidmet.

Tipps

  • Der Besuch der Mikwe in der Nähe der Synagoge in der Pfannenstielsgasse ermöglicht einen Vergleich mit anderen historischen Ritualbädern der Region aus dem 18. Jahrhundert.

Eigenschaften

Entspannt Kulturell Ganzjährig

Ehemalige Synagoge Wetzlar: Gedenktafel & Kulturausflug

Die ehemalige Synagoge Wetzlar ist ein bedeutendes historisches Zeugnis jüdischer Geschichte in der Stadt und ein Ort der Erinnerung an die jüdische Gemeinde, die hier seit dem 17. Jahrhundert lebte. Im 19. Jahrhundert erreichte die jüdische Bevölkerung mit rund 90 Mitgliedern ihren höchsten Anteil an der Gesamtbevölkerung – etwa 2,13 Prozent der Einwohner. Die Synagoge war nicht nur ein religiöses Zentrum, sondern auch ein Ort des kulturellen und sozialen Lebens für die jüdische Gemeinschaft. Die älteste Wetzlarer Mikwe, ein rituelles Bad, befand sich ursprünglich in der unteren Altstadt, bevor sie ab 1755/56 in der Nähe der Synagoge in der Pfannenstielsgasse eingerichtet wurde.

Die Synagoge selbst war über Jahrhunderte ein wichtiger Bezugspunkt für die jüdische Bevölkerung in Wetzlar. Die Gemeinde unterstand zunächst dem Rabbinat in Frankfurt am Main und später dem Rabbinat Friedberg. Doch die NS-Zeit brachte ein brutales Ende für das jüdische Leben in der Stadt. Einer der wenigen Überlebenden war Abram Korn, dessen Zeitzeugenbericht „Abe’s Story“ später auf Englisch veröffentlicht wurde. Sein Sohn Joseph Korn bewahrte die Erinnerungen seines Vaters und veröffentlichte sie in deutscher Sprache im Jahrband des Wetzlarer Geschichtsvereins.

Heute erinnert eine Gedenktafel an der Stelle der ehemaligen Synagoge an das einstige jüdische Leben in Wetzlar und an die Opfer des Holocaust. Die Tafel dient als Mahnmal und mahnt zur Erinnerung an die Geschichte der Verfolgung und Vernichtung. Gleichzeitig ist sie Teil eines größeren Erinnerungsprojekts, das sich mit der Geschichte der Zwangsarbeit und des Widerstands in Wetzlar während des Nationalsozialismus auseinandersetzt. Initiativen wie „WETZLAR ERINNERT“ arbeiten daran, diese Geschichte lebendig zu halten und sie insbesondere für junge Generationen zugänglich zu machen.

Die ehemalige Synagoge steht damit nicht nur für die jüdische Tradition in Wetzlar, sondern auch für die Verantwortung, die eine Stadt gegenüber ihrer Geschichte trägt. Sie ist ein Ort der Reflexion über Toleranz, Erinnerung und die Bewahrung des kulturellen Erbes. Besucher können hier die Spuren der Vergangenheit nachspüren und sich mit den historischen Entwicklungen auseinandersetzen, die das jüdische Leben in der Stadt prägten. Die Gedenktafel lädt dazu ein, innezuhalten und die Bedeutung dieses Ortes für die lokale Geschichte zu würdigen.

Die Verbindung von jüdischer Geschichte und Erinnerungskultur macht die ehemalige Synagoge zu einem besonderen Ort in Wetzlar. Sie steht im Kontext weiterer Projekte, die sich mit der Aufarbeitung der NS-Zeit befassen, darunter Ausstellungen zur Zwangsarbeit und zum Schicksal der Opfer. Durch solche Initiativen wird die Erinnerung an die Vergangenheit bewahrt und gleichzeitig ein Beitrag zur heutigen gesellschaftlichen Debatte geleistet.

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