Judenhof
Highlights
- Der Judenhof in Speyer beherbergt die älteste erhaltene Monumentalmikwe Europas aus dem Jahr 1120.
- Auf dem Gelände sind Reste der Synagoge von 1104 und der Frauenschul aus dem 13. Jahrhundert erhalten.
- Das Museum SchPIRA zeigt archäologische Funde und Grabsteine zur jüdischen Geschichte der Stadt.
Tipps
- Besucher sollten die archäologischen Reste der Synagoge und der Frauenschul erkunden, um Einblicke in das mittelalterliche jüdische Leben zu erhalten.
- Das Museum SchPIRA am Eingang zum Judenhof bietet eine informative Einführung mit Grabsteinen, Relikten und Ausgrabungsfunden.
- Die gut erhaltene Monumentalmikwe aus dem 12. Jahrhundert lässt sich über eine Treppe betreten und zeigt romanische Bauelemente.
Eigenschaften
Über Judenhof
Der Judenhof in Speyer zählt zu den bedeutendsten Zeugnissen jüdischer Kultur und Geschichte in Deutschland. Im Zentrum des ehemaligen Judenviertels liegt die Monumentalmikwe, die auf das frühe 12. Jahrhundert datiert und als ältestes erhaltenes Ritualbad dieser Art in Europa gilt. Die Anlage war ein zentraler Ort für die jüdische Gemeinde Speyrs bis zu deren Auflösung im frühen 16. Jahrhundert. Über eine lange Treppe gelangt man durch ein romanisches Portal in einen Vorraum mit Umkleidemöglichkeiten, bevor man schließlich zum Tauchbecken gelangt. Die Architektur der Mikwe spiegelt die Bedeutung ritueller Reinheit wider, insbesondere in einer Zeit nach den Kreuzzügen.
Auf dem Gelände des Judenhofs befinden sich zudem die archäologisch gesicherten Reste der 1104 erbauten Synagoge sowie der Frauenschul, die sich am Vorbild der Wormser Frauenschul orientierte. In der Frauenschul sind Hörschlitze zur Synagoge und eine steinerne Bank erhalten, auf der Frauen während der Gottesdienste Platz nahmen. Die Synagoge selbst wurde nach dem Niedergang der jüdischen Gemeinde im 15. Jahrhundert zunächst als Zeughaus umgenutzt, was zu baulichen Veränderungen und teilweiser Zerstörung führte. Spätere Brände und Abrisse trugen zur weiteren Zerstörung bei.
Eine weitere wichtige Stätte ist die Jeschiwa, deren Fundamente in den Jahren 1997 und 1998 freigelegt wurden. Der Lehrsaal, der an die Ostwand des Synagogenhofs angebaut war, verdeutlicht die zentrale Rolle des religiösen Lernens innerhalb der jüdischen Gemeinschaft. Die baulichen Spuren zeigen auch die Auswirkungen der Pogrome der Jahre 1196 und 1349 sowie die anschließenden Wiederaufbauten. Nach der erneuten Gründung einer jüdischen Gemeinde im 19. Jahrhundert und deren Ende durch die Shoah entstand in den 1990er Jahren eine neue Gemeinde, die 2011 eine umgebaute Kirche als neue Synagoge einweihen konnte.
Seit den 1960er Jahren fanden kontinuierliche Ausgrabungen statt, die das jüdische Erbe in Speyer sichern und sichtbar machen. Am Eingang zum Judenhof wurde 2010 das Museum SchPIRA eröffnet, das Relikte, Grabsteine und Ausgrabungsbefunde zur mittelalterlichen Blütezeit der jüdischen Gemeinde zeigt. Unter den Exponaten befinden sich auch Teile der sogenannten Lingenfelder Schätze sowie mittelalterliche Grabsteine, die nach Zerstörung und Pogromen verbaut und später wiedergefunden wurden. Das Museum vermittelt einen persönlichen Zugang zur Geschichte durch die Darstellung einzelner Schicksale.