Geburtshaus Geschwister Große
Highlights
- 1914/15 errichtetes Wohnhaus der Schwestern in Meißen (heute Kerstingstraße 4) dokumentiert ihren Umzug aus der Blütezeit des Porzellan-Booms.
- Die Schwestern Großes kombinierten alpinistische Rekorde mit Ballonfahrten ab 1902 und gründeten 1908 den Sächsischen Luftfahrtverein.
Tipps
- Das Geburtshaus der Geschwister Große zeigt die historische Architektur des späten 19. Jahrhunderts mit typischen Merkmalen der Zeit vor dem Bauboom.
- Im Inneren werden Lebensstationen der Schwestern Große mit Fokus auf ihre wissenschaftlichen und alpinistischen Leistungen thematisiert.
- Exponate verdeutlichen die Verbindung der Familie zu kartografischen und luftfahrtgeschichtlichen Innovationen des frühen 20. Jahrhunderts.
Eigenschaften
Kulturdenkmal Geburtshaus Geschwister Große in Meißen
Das Geburtshaus der Geschwister Große in Meißen ist ein bedeutendes historisches Denkmal, das mit zwei außergewöhnlichen Persönlichkeiten der Wissenschafts- und Luftfahrtgeschichte verbunden ist. Die Schwestern Afra und Marie Große wurden hier geboren und prägten später durch ihre bahnbrechenden Leistungen in Kartografie, Alpinismus und Luftfahrt die frühe Moderne. Ihr Wirken spiegelt den Geist einer Zeit wider, in der Frauen sich mutig über traditionelle Rollenbilder hinwegsetzten und neue Forschungsfelder erschlossen.
Afra Große, später verheiratet mit Professor Poeschel, und ihre Schwester Marie waren nicht nur als Pionierinnen des Bergsteigens bekannt, sondern auch als Vorreiterinnen des Ballonfahrens. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts unternahmen sie gemeinsam mit ihrem Ehemann spektakuläre Flüge, die sie zu Mitbegründerinnen des „Tiroler Vereins für Luftschiff“ und des „Sächsischen Vereins für Luftfahrt“ machten. Ihre Aktivitäten waren eng mit dem aufstrebenden Deutschen Luftschifferverband verknüpft, der unter Poeschels Einfluss stand. Die Geschwister engagierten sich zudem im „Österreichischen Alpen-Klub“ und trugen so zur Vernetzung alpiner und aeronautischer Interessengruppen bei.
Neben ihrer passionierten Beschäftigung mit der Luftfahrt widmete sich Afra Große auch der Kartografie. Sie hielt Vorträge zu geografischen Themen und arbeitete ab 1913 in der Kartenkommission des Deutschen Luftfahrtverbandes mit. Als eine der ersten Autorinnen verfasste sie Beiträge für schulgeografische Zeitschriften und trug damit zur Professionalisierung des Faches bei. Ihr wissenschaftliches Schaffen war eng mit der praktischen Erfahrung aus ihren Expeditionen verbunden, was ihr einen besonderen Platz in der Geschichte der geographischen Forschung einräumt.
Das Geburtshaus der Geschwister Große steht symbolisch für Meißens Verbindung zu kulturellen und technischen Innovationen. Obwohl die Schwestern später in ein neues Wohnhaus in der Kerstingstraße umzogen, bleibt ihr Ursprungsort ein Zeugnis des unternehmerischen Geistes und der Pioniergeister, die Meißen im frühen 20. Jahrhundert prägten. Das Haus verkörpert damit nicht nur die Lebenswege zweier herausragender Frauen, sondern auch den Wandel einer Stadt, die sich zwischen traditionellem Handwerk – wie der berühmten Porzellanmanufaktur – und modernen wissenschaftlichen Bestrebungen bewegte.
Heute ist das Geburtshaus ein stiller Zeuge der historischen Bedeutung Meißens als Ort, an dem sich Wissenschaft, Abenteuerlust und gesellschaftlicher Fortschritt verbanden. Als historisches Denkmal erinnert es an die Geschwister Große und ihre Verdienste um die Luftfahrt, Kartografie und den Alpinismus – Leistungen, die weit über die Grenzen der Region hinausstrahlten. Besonders für Besucher, die sich für Technikgeschichte, Frauenbewegung oder die Entwicklung der Luftfahrt interessieren, bietet der Ort eine faszinierende Perspektive auf die Wurzeln moderner Erkundung.