Museum

Stein & Tür - Jüdische Spuren im Sebalder Pfarrhof

Albrecht-Dürer-Platz 1, 90403 Nürnberg

Highlights

  • Im Sebalder Pfarrhof wurden 2019/2020 ein jüdischer Grabstein (1334) und eine mittelalterliche Holztür mit jüdischen Motiven entdeckt.
  • Die Ausstellung ‚Stein & Tür‘ zeigt jüdische Spuren und konfrontiert mit antijüdischen Darstellungen in der Sebalduskirche seit 2020.
  • Kooperation mit der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg macht den Pfarrhof zu einem Ort jüdischer Erinnerung und Aufklärung.

Tipps

  • Die Ausstellung zeigt originale Funde wie einen Grabstein aus dem Jahr 1334 und eine mittelalterliche Holztür mit jüdischen Spuren, die im Pfarrhof entdeckt wurden.
  • Ein barrierefreier Zugang ermöglicht den Besuch für alle Gäste, wobei rollstuhlgerechte Wege und Aufzüge vorhanden sind.
  • Die Präsentation verbindet historische Artefakte mit zeitgenössischen Perspektiven auf jüdisches Leben und Antisemitismus in Nürnberg.

Eigenschaften

Bei Regen geeignet Bildung Kulturell Ganzjährig

Jüdische Spuren im Sebalder Pfarrhof Nürnberg

Im Sebalder Pfarrhof in Nürnberg öffnet die Ausstellung „Stein & Tür – Jüdische Spuren im Sebalder Pfarrhof“ ein einzigartiges Fenster in die vergessenen Geschichten jüdischer Geschichte der Stadt. Seit ihrer Entstehung verbindet sie historische Funde mit zeitgeschichtlicher Aufarbeitung und zeigt, wie jüdisches Leben in Nürnberg – trotz Verfolgung und Ausgrenzung – tief in der Stadtgeschichte verwurzelt war.

Der Kern der Ausstellung besteht aus zwei außergewöhnlichen Zeugnissen: einem jüdischen Grabstein aus dem Jahr 1334, der bei Renovierungsarbeiten in der Eingangshalle des Pfarrhofs entdeckt wurde, sowie einer Holzbrettertür mit hebräischen Inschriften, die auf das 14. Jahrhundert datiert wird. Beide Funde belegen die frühe Präsenz jüdischer Gemeinden in Nürnberg, die bis zu den Pogromen des Mittelalters und der systematischen Entrechtung im 15. Jahrhundert zurückreicht. Die Ausstellung stellt diese Artefakte in den Kontext der lokalen Geschichte und thematisiert die Ambivalenz zwischen christlich-jüdischem Miteinander und den wachsenden Spannungen, die schließlich zur Vertreibung der Juden aus Nürnberg führten.

Besonders eindrücklich wird die Ausstellung durch die Auseinandersetzung mit den antisemitischen Darstellungen in der angrenzenden Sebalduskirche, Nürnbergs ältester Pfarrkirche. Über Jahrhunderte prägten hier „Teufelsjuden“ und andere judenfeindliche Motive – etwa das Schwein als Symbol des Teufels – das Bild der Juden in der christlichen Kunst. Die Kirchengemeinde hat die Ausstellung gemeinsam mit der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg und dem Verein Geschichte für Alle entwickelt, um diese dunklen Kapitel der Geschichte sichtbar zu machen und einen Ort der Erinnerung zu schaffen. Die Präsentation dient dabei auch als Kristallisationspunkt für einen zukünftigen stadtweiten Erinnerungsweg, der die Spuren jüdischen Lebens in Nürnberg langfristig bewahren soll.

Die Ausstellung verbindet archäologische Funde mit gesellschaftlicher Reflexion und lädt Besucher:innen ein, sich mit den Wurzeln des Antisemitismus in der mittelalterlichen Stadt auseinanderzusetzen. Durch die Zusammenarbeit mit lokalen Initiativen wie dem Verein 321-2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland wird zudem die Bedeutung jüdischer Kultur für die regionale Identität betont. „Stein & Tür“ ist somit nicht nur eine Ausstellung, sondern ein Ort der Versöhnung und des Lernens, der zum Nachdenken über die Vergangenheit und die Verantwortung für die Zukunft anregt.

Für Geschichtsinteressierte und alle, die sich für die komplexe Wechselwirkung von Religion, Kunst und Vorurteilen im Mittelalter begeistern, bietet die Ausstellung eine einzigartige Perspektive. Sie zeigt, wie aus archäologischen Funden und künstlerischen Zeugnissen ein lebendiges Gedächtnis entsteht – und wie aus einem Pfarrhof ein Ort wird, der die Spuren der Vergessenheit wieder sichtbar macht.

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