Brunnen der tanzenden Figuren
Highlights
- Der Neptunbrunnen in Nürnberg ist eines der bedeutendsten Zeugnisse barocker Brunnenkunst in Europa.
- Das Original wurde 1660–1669 geschaffen, aber erst 1902 als Zweitguss auf dem Hauptmarkt enthüllt.
- 1937 wurde der Brunnen im Zuge der NS-Propaganda vom Hauptmarkt entfernt und später abgebaut.
Tipps
- Der Neptunbrunnen im Stadtpark eignet sich gut für eine kurze Pause und bietet Schatten sowie Sitzgelegenheiten.
- Kinder können auf dem nahegelegenen Spielplatz spielen, während Erwachsene den Brunnen und den Park genießen.
- Der Brunnen ist ein beeindruckendes barockes Kunstwerk und gilt als eines der bedeutendsten Exemplare seiner Art in Europa.
Eigenschaften
Über Brunnen der tanzenden Figuren
Der Brunnen der tanzenden Figuren in Nürnberg zählt zu den bedeutendsten Zeugnissen barocker Brunnenkunst in Europa. Ursprünglich als Auftragswerk des Nürnberger Rates im 17. Jahrhundert geschaffen, entstand das kunstvolle Werk in der Werkstatt des Bildhauers Georg Schweigger. Die reich gegliederte Skulpturengruppe mit Neptun und allegorischen Flussfiguren beeindruckt durch ihre detailreiche Ausführung und die lebendige Dynamik der Figuren. Ursprünglich für den Hauptmarkt in Nürnberg gedacht, wurde der Brunnen jedoch nie dort aufgestellt und lag über Jahrhunderte in Vergessenheit.
Die Geschichte des Brunnens nimmt eine groteske Wendung, als das Original im Zuge finanzieller Engpässe der Stadt an den russischen Zarenhof verkauft wurde. Dort wurde es im Schlosspark von Peterhof bei St. Petersburg aufgestellt. Fast ein Jahrhundert später, als Nürnberg durch die Industrialisierung wieder an Bedeutung gewann, wurde beschlossen, den Brunnen nachzuahmen. Ein zweiter Guss wurde mit Genehmigung des russischen Zaren angefertigt, wobei die Formen direkt vor Ort in Peterhof abgenommen wurden. Der neue Brunnen wurde 1902 feierlich auf dem Hauptmarkt enthüllt – dem ursprünglich vorgesehenen Standort des Erstgusses.
Die Aufstellung des Brunnens am Hauptmarkt war jedoch von nur kurzer Dauer. Mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus wurde der barocke Prunkbrunnen als unpassend für die Propagandazwecke der NSDAP erachtet. Aufgrund seiner lebensfrohen und üppigen Darstellung stand er im Widerspruch zum asketischen Idealbild des Regimes. Zudem wurde der jüdische Stifter der zweiten Gussform, Ludwig von Gerngroß, öffentlich diffamiert. 1937 wurde der Brunnen schließlich abgebaut und in einen Stadtpark verlegt, wo er bis heute steht.
Heute erinnert der Brunnen nicht nur an die barocke Kunstgeschichte, sondern auch an die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche des 20. Jahrhunderts. Im Stadtpark genießt er den Status eines beliebten Treffpunkts und Ausflugsziels. Besucher finden hier nicht nur eine künstlerisch wertvolle Architektur, sondern auch Raum für Erholung: Bänke im Schatten, ein Kinderspielplatz sowie ein nahegelegenes Café laden zur Pause ein. Die Skulpturen des Brunnens, umgeben von Grün und Wasser, bieten zudem Fotomotive von besonderer Ästhetik, besonders bei Sonnenuntergang.