Richterstein auch Teufelstein
Highlights
- Der Schalenstein im Staatsforst Schieder zählt zu den archäologischen Fundplätzen in NRW und weist rund 70 schalenförmige Vertiefungen auf.
- Er wird auch als Richter- oder Teufelstein bezeichnet und liegt am Bennerberg im Kreis Lippe.
- In der Nähe wurden weitere steinerne Funde aus der Jung- und Bronzezeit entdeckt.
Tipps
- Vor dem Besuch Informationen über die historische Bedeutung des Schalensteins recherchieren.
- Den Stein sowie die Umgebung auf eigene Faust erkunden, da er nahezu unbemerkt am Waldrand liegt.
- Weitere Felsbrocken mit Schälchen in der Nähe entdecken, um den archäologischen Kontext besser zu verstehen.
Eigenschaften
Über Richterstein auch Teufelstein
Der Richterstein, auch Teufelstein genannt, ist ein markanter Schalenstein im Staatsforst Schieder, der sich am südwestlichen Hang des Bennerbergs oberhalb des Niesetales befindet. Diese archäologisch bedeutende Gesteinsformation liegt im nordrhein-westfälischen Schieder-Schwalenberg und zählt zu den bemerkenswerten kulturhistorischen Denkmälern der Region. Der Stein hat eine Länge von etwa 3,5 Metern und ragt in der Mitte etwa 0,8 Meter über den Boden hervor. Auf seiner schildförmigen Oberfläche sind rund 70 schalenförmige Vertiefungen zu erkennen, die teilweise in Reihen oder Gruppen angeordnet sind.
In der Umgebung des Richtersteins liegen weitere Findlinge, die ebenfalls Schälchen aufweisen. Diese Gesteinsblöcke stammen aus der geologischen Stufe des Rhaetiums und wurden während der Eiszeiten an ihren heutigen Standort transportiert. Bei archäologischen Untersuchungen wurden in der Nähe des Steins vorgeschichtliche Tonscherben entdeckt, die auf eine Nutzung in der Jung- oder Bronzezeit hindeuten. Südlich des Schalensteins verläuft ein Waldweg, entlang dessen ein weiterer auffälliger Steinblock liegt. Dieser ist mit drei größeren Eintiefungen versehen und wird in der Volkskunde als Teufels- oder Hexenstein bezeichnet.
Der Richterstein ist eng mit der lokalen Sage verbunden, die verschiedene Deutungen seiner Herkunft und Funktion bietet. In den benachbarten Ortsteilen Brakelsiek und Lothe wird der Stein auch als Richtstein bezeichnet, was möglicherweise auf eine frühere Funktion im Zusammenhang mit gerichtlichen oder kultischen Handlungen hinweist. Am Hang des Bennerbergs lassen sich zudem terrassenförmige Strukturen erkennen, die von Menschenhand angelegt wurden und Hinweise auf eine länger andauernde Besiedlung oder Nutzung des Geländes geben.
Der Stein gilt als Teil einer größeren Landschaft archäologischer Fundstellen im Kreis Lippe. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Richterstein hat durch Beiträge wie die von Friedrich Hohenschwert und Leo Nebelsiek an Bedeutung gewonnen. Diese Forschungen tragen dazu bei, die Funktion und Bedeutung solcher Schalensteine im kulturellen Kontext der Vor- und Frühgeschichte besser zu verstehen. Der Ort ist weniger für einen kurzweiligen Ausflug geeignet, sondern vielmehr für Interessierte, die sich mit archäologischen oder historischen Fragestellungen beschäftigen.
Der Richterstein ist ein stillgelegter, denkmalgeschützter Ort, der inmitten einer natürlichen Waldumgebung liegt. Aufgrund seiner abgelegenen Lage kann er leicht übersehen werden, bietet jedoch einen ruhigen und eindrucksvollen Platz für die Auseinandersetzung mit regionaler Geschichte. Die Kombination aus archäologischem Fundort, geologischem Phänomen und Volkskunde macht ihn zu einem bemerkenswerten Zeugnis vergangener Kulturen im südlichen NRW.