Denkmal/Gedenkstätte

Steinkiste im Tempelberger Forst

15518 Steinhöfel Tempelberg

Highlights

  • Das Grab enthielt menschliche Knochen mehrerer Individuen, die in sitzender Haltung mit Blick nach Süden begraben waren.
  • 1984 wurde die Fundstelle wiederentdeckt; archäologische Grabungen brachten Keramikfragmente und Feuersteinreste zutage.

Tipps

  • Beim Besuch des Steinkistengrabs im Tempelberger Forst lohnt sich ein Spaziergang durch den nahegelegenen Buchen- und Mischwald.
  • Der Fundort ist gut im Wald versteckt, aber durchaus sehenswert für Interessierte an Archäologie und Geschichte.
  • Vor Ort können Besucher die archäologische Bedeutung des Grabes sowie die umliegende Naturlandschaft erkunden.

Eigenschaften

Bildung Kulturell Ganzjährig

Über Steinkiste im Tempelberger Forst

Die Steinkiste im Tempelberger Forst ist eine bedeutende archäologische Fundstelle im brandenburgischen Steinhöfel Tempelberg im Landkreis Oder-Spree. Es handelt sich um ein Steinkistengrab, das der Kugelamphorenkultur des 3. Jahrtausends v. Chr. zugeordnet wird. Die Entdeckung erfolgte im Jahr 1871 durch Arbeiter, die beim Bau einer Brücke nach geeigneten Steinen suchten. Dabei stießen sie auf eine Steinplatte, die als Abdeckung einer mit Sand, Lehm und Steinen gefüllten Grabgrube diente. Die ursprüngliche archäologische Untersuchung wurde durch engagierte Mitglieder eines Heimatvereins aus Müncheberg initiiert, die vor Ort jedoch bereits weitgehende Durchwühlungen durch Schatzsucher vorfanden.

Die Grabungsergebnisse zeigten, dass mindestens sechs Individuen in sitzender Haltung mit Blick nach Süden bestattet worden waren. Die räumliche Anordnung der Knochen legt eine sorgfältige kollektive Bestattung nahe. Besonders bemerkenswert war der Erhalt einer fast rechteckigen Eingangsgrube im Ostende der Steinkiste, die ungestört blieb. Aus deren Verfüllung konnten später bei erneuten Ausgrabungen hunderte von Feuersteinabschlägen und Keramikscherben der Kugelamphorenkultur geborgen werden. Diese Funde deuten auf rituelle Handlungen am Zugang zum Grab hin. Auch ein leicht versetzter Stein an der Nordostecke zeigt Parallelen zu anderen Bestattungsplätzen dieser Kultur.

Die Kugelamphorenkultur wird mit ihren charakteristischen Keramikgefäßen benannt und zählt zu den steinzeitlichen Kulturen, die sich vom östlichen Mitteleuropa bis in die Westukraine ausbreiteten. Die Menschen dieser Kultur waren hauptsächlich Ackerbauern und Viehzüchter. Kollektivbestattungen in Steinkisten sind innerhalb dieser Kultur eher selten, was den Fund in Tempelberg zu einer archäologisch wertvollen Entdeckung macht. Die Erkenntnisse tragen zur Rekonstruktion der Grabsitten und sozialen Strukturen dieser frühen Bauerngemeinschaften bei.

Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs geriet der Fundort in Vergessenheit, bis er 1984 erneut aufgefunden wurde. Daraufhin fanden systematische Grabungen statt, die die Ausmaße der früheren Eingriffe bestätigten, zugleich aber auch neue Erkenntnisse über die Nutzung des Grabes lieferten. Die Steinkiste ist heute ein markantes Zeugnis der Ur- und Frühgeschichte Brandenburgs und zeigt die regionale Bedeutung des Landkreises Oder-Spree für die Erforschung der prähistorischen Besiedlung.

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