Denkmal/Gedenkstätte

117

99762 Stempeda

Highlights

  • Rottleberode verfügte bereits 994 über das Markt-, Münz- und Zollrecht.
  • Im Zweiten Weltkrieg wurde hier ein KZ-Außenlager eingerichtet, in dem Zwangsarbeiter für die Junkers-Werke arbeiteten.
  • Der Ort war über Jahrhunderte durch Bergbau auf Eisen, Kupfer und Flussspat geprägt.

Tipps

  • Parkplatz begrenzt, früh anreisen empfohlen.

Eigenschaften

Bildung Kulturell Ganzjährig

Historisches Gebäude in Stempeda entdecken

Der historische Ortsteil Stempeda im Landkreis Nordhausen, Thüringen, beherbergt bedeutende Spuren der Vergangenheit, darunter den markanten Punkt mit der Nummer 117. Dieser POI steht eng mit den Ereignissen des Nationalsozialismus und insbesondere mit der Zeit des Zweiten Weltkriegs in Verbindung. In Stempeda wurde während des Krieges ein Unterkommando des KZ Buchenwald eingerichtet, das ab März 1944 bestand und später dem KZ Mittelbau-Dora zugeordnet wurde. Etwa 1300 KZ-Häftlinge waren hier gezwungen, Zwangsarbeit zu leisten, unter anderem für die Junkers Flugzeug- und Motorenwerke. Auch die Rüstungsfirma Stock & Co. setzte Zwangsarbeiter in der Munitionsherstellung ein. Die Bedeutung des Ortes geht jedoch weiter zurück in die Geschichte. Stempeda liegt im Südharz und war bereits im Mittelalter von wirtschaftlicher und strategischer Relevanz. Die Region wurde zudem durch jahrhundertelangen Bergbau auf Eisen, Buntmetalle, Flussspat und Gips geprägt. Zahlreiche Halden und historische Namen wie „Kupferhütte“ zeugen noch heute von dieser industriellen Vergangenheit. Besonders hervorzuheben ist der „Flussschacht“ im Krummschlachttal, der im 20. Jahrhundert eine bedeutende Flussspatlagerstätte darstellte. Die Zeit des Nationalsozialismus hinterließ in Stempeda und Umgebung tiefe Narben. Neben den KZ-Außenlagern wurden auch Widerstandsaktivitäten dokumentiert. So gelang es einer Gruppe um die Krankenschwester Elsa Neumann und den Kommunisten Paul Rößler, Sabotageakte gegen die Zwangsarbeit und die Rüstungsproduktion zu unternehmen. Diese solidarische Hilfe war ein Zeichen des Widerstands in einer von Unterdrückung und Terror geprägten Zeit. Nach Räumungstransporten und Todesmärschen wurden viele der Häftlinge schließlich am 13. April 1945 beim Massaker in der Isenschnibber Feldscheune in Gardelegen ermordet – ein brutaler Höhepunkt der Verbrechen der NS-Zeit. Die Nachkriegszeit brachte für Stempeda und die gesamte Region große Umbrüche. Von 1952 bis 1990 gehörte der Ort wie viele andere Gebiete in der DDR zum Bezirk Halle. Die industrielle Tradition verlor an Bedeutung, während sich die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit und die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte zunehmend in den Vordergrund stellten. Heute erinnern Gedenkstätten und historische Orte wie der Punkt 117 an die dunklen Kapitel der Vergangenheit und laden zur Reflexion ein. Der POI 117 in Stempeda ist somit nicht nur ein geografischer Ort, sondern ein Mahnmal für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Er steht exemplarisch für die historische Verstrickung der Region in die Verbrechen des Krieges und erinnert an die Menschen, die unter unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeit leisten mussten. Gleichzeitig ist er ein Zeugnis des Widerstands und der Solidarität, die auch unter den schwierigsten Umständen entstehen konnten.

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